Bandscheibenvorfall
Krankheitsbild
Erklärung:
Die Wirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln und fünf Lendenwirbeln. Die dazwischen liegenden 23 Bandscheiben fungieren als Stoßdämpfer und Abstandshalter. Sie bestehen aus einem weichen Kern, der von einem Ring aus faserigem Bindegewebe eingefasst wird. Ein Bandscheibenvorfall ist eine schmerzhafte Beeinträchtigung der Wirbelsäule. Dabei tritt der gallertartige Kern der Bandscheibe aus dem ihn umgebenden Ring und quetscht einen Nerv des benachbarten Rückenmarks ein. Rückenschmerzen können bereits durch leichtes Hervortreten der Bandscheibe verursacht werden.
Symptome:
Ein Bandscheibenvorfall verursacht starke Rückenschmerzen. Darüber hinaus fühlen die Betroffenen in ihren Gliedern oft Kribbeln und Taubheit. Im fortgeschrittenen Fall drohen Lähmungen, Inkontinenz und Impotenz.
Ursachen:
Bandscheibenvorfälle werden durch altersbedingten Verschleiß der Knochen, mangelnde Bewegung, Rauchen und Übergewicht hervorgerufen. Auch angeborene Schäden der Wirbelsäule, Verkehrsunfälle oder und Überbelastung – etwa durch eine schlechte Körperhaltung – können zu Bandscheibenvorfällen führen. „Dass so viele Menschen an Rückenproblemen leiden, liegt auch an der Evolution“, sagt Siegfried Vogel, Chefarzt für Neurochirurgie am Sankt Gertrauden-Krankenhaus in Wilmersdorf. „Unsere Wirbelsäule ist ursprünglich nicht für den Gang auf zwei Beinen konstruiert. Außerdem wird der Mensch in immer kürzeren Zeitabständen immer größer und belastet sich dadurch.“
Zahlen:
Fast zwei von drei Deutschen haben Rückenprobleme. Jedes Jahr erleiden rund 180.000 Männer und Frauen einen Bandscheibenvorfall.
Behandlung
Diagnostik:
Zunächst untersuchen Ärzte Körperfunktionen und analysieren Blutwerte, um Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome aufweisen. Die Diagnose sichern sie mittels einer Elektroneuro- , Computer- und Magnetresonanztomografie ab. Mithilfe der letzteren Methode prüfen die Ärzte die Leitgeschwindigkeit des zentralen Nervensystems an der Wirbelsäule.
Therapie:
Grundsätzlich können Bandscheibenvorfälle auch ohne Operation behandelt werden. Taubheitsgefühle oder chronische Schmerzen werden mit Medikamenten, Physiotherapie, Rückenschule und Muskelaufbau behandelt. Der Hälfte aller Operierten könne mit konservativen Behandlungen – Physiotherapie, Rückenschule, Muskelaufbau – geholfen werden, sagen Fachärzte. Allerdings seien Bandscheibeneingriffe für Kliniken lukrativ.
Operiert werden sollte erst, wenn Lähmungen oder Inkontinenz auftreten. Rund 75.000 Menschen werden hierzulande jährlich an den Bandscheiben operiert. Entweder erfolgt der chirurgische Eingriff mithilfe minimalinvasiver Technik. Dann entfernen die Ärzte über kleine Schnitte und mithilfe so genannter Endoskope – langstielige, millimeterstarke Instrumente – den ausgetretenen Gallertkern der Bandscheibe.
In besonderen Fällen operieren die Ärzte über einen offenen Schnitt. Ist die Schädigung weit fortgeschritten, kann die Bandscheibe durch ein Implantat ersetzt werden. Mittlerweile können die betroffenen Zellkerne durch eine Züchtung aus körpereigenem Gewebe regeneriert werden. Dies ist jedoch nur im Frühstadium der Erkrankung möglich und wird bisher selten praktiziert. Schwere Komplikationen wie dauerhafte Lähmungen können eintreten, wenn während der Operation bestimmte Nervenbahnen und Gefäße verletzt werden.
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Ingo Bach, Hannes Heine, Matthias Lehmphul
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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