Qualitätsindikator - Prothesenausrenkung (Künstliches Hüftgelenk)
Erklärung:
Ein Hüftgelenk besteht aus zwei Teilen, wobei sich der Gelenkkopf in der Gelenkpfanne bewegt. Springt der Gelenkkopf aus der Pfanne, spricht man von einer Ausrenkung. Dies kann bei besonderer Beanspruchung sowohl bei einem natürlichen als auch bei einem künstlichen Hüftgelenk passieren – sollte aber nicht. Der Indikator zeigt an, wie viele Patienten, bei denen erstmalig eine Hüftprothese eingesetzt wurde, eine solche Komplikation erlitten – entweder, weil das Gelenk aus der Pfanne sprang oder weil es verkantete und sich nicht mehr bewegen ließ. In Deutschland passiert dies im Schnitt nur bei rund 0,6 Prozent der Fälle. Da es viele Gründe für ein Ausrenken noch in der Klinik gibt – etwa Alter und Vorerkrankung – gelten erst Krankenhäuser mit einer Rate von mehr als fünf Prozent als auffällig.
Frage an das Krankenhaus:
„Wie stellen Sie sicher, dass sich ein eingepflanztes künstliches Hüftgelenk nicht wieder ausrenkt?“
Hintergrund:
Sie sollten sich diese Frage besonders dann von der Klinik beantworten lassen, um das Risiko zu verstehen, dass Ihnen diese Komplikation widerfährt. Nicht jedes auffällige Ergebnis bedeutet automatisch eine schlechte Versorgungsqualität. Außergewöhnlich viele Patienten mit besonderen Voraussetzungen – etwa in fortgeschrittenem Alter – können trotz guter Behandlung zu einer hohen Rate an Ausrenkungen führen. Nach Einsatz von künstlichen Gelenken sollen selbstverständlich diese Probleme möglichst selten auftreten.
Nachdem eine Prothese eingesetzt worden ist, muss es über Jahre unzählige Bewegungen aushalten – Alltagsverrichtungen, möglicherweise viel Sport. In seltenen Fällen kommt es dann zu schmerzhaften Ausrenkungen. Dabei gleitet der Gelenkkopf aus der Gelenkpfanne oder gerät in eine falsche Position, in der sich das Hüftgelenk nicht mehr bewegen lässt. Der Gelenkkopf muss dann schnellst möglich in seine richtige Position in der Gelenkpfanne gebracht werden. In schweren oder wiederholten Fällen muss eine Folgeoperation durchgeführt werden.
Bei etwa einem Viertel der Fälle, bei denen ein erneuter Eingriff zur Behebung des Problems erforderlich wird, fehlt dem künstlichen Hüftgelenk dauerhaft die nötige Stabilität. Solche Komplikationen sind folgenschwer und treten nach Angaben der Experten der Externen Qualitätssicherung (EQS) meist innerhalb der erste zwei Monate nach der Implantation auf. (Achtung: Für den Indikator werden jedoch nur die Fälle berücksichtigt, die noch während des Krankenhausaufenthaltes passieren.) Ausrenkungen des künstlichen Hüftgelenkes können operationstechnische Gründe haben oder auftreten, weil bei manchen Patienten besondere Schwierigkeiten bestehen. So können etwa die umliegenden Muskeln, die maßgeblich zur Stabilität des Hüftgelenkes beitragen, schon vor dem Eingriff geschwächt sein.
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Ingo Bach, Hannes Heine, Matthias Lehmphul
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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