Qualitätsindikator - Neu entstandene Druckgeschwüre während des Krankenhausaufenthaltes, risikobereinigt
Erklärung:
Behandlungen im Krankenhaus bedeuten meist eines: im Bett bleiben. Je länger das dauert und je älter man ist, desto größer ist das Risiko, sich wundzuliegen. Betroffen sind meist Patienten jenseits der 75 Jahre. Druckgeschwüre (medizinisch: Dekubitus) sind meist chronische Wunden, die unterschiedlich groß und tief sein können.
Der Indikator gibt an, wie viele Patienten des gesamten Krankenhauses, die älter als 75 Jahre waren und ohne ein Druckgeschwür aufgenommen wurden, während des Aufenthaltes ein solches erlitten. Um einen fairen Vergleich der Krankenhäuser zu ermöglichen, die Patienten mit unterschiedlicher Risikostruktur behandeln, werden dabei auch weitere Gefahrenmomente berücksichtigt. Leidet der Patient zum Beispiel an der Zuckerkrankheit, ist er bettlägerig oder muss auf einer Intensivstation behandelt werden, steigt das Risiko für ein Druckgeschwür. Krankenhäuser, in denen weniger als 1,3 Prozent der stationär behandelten über 75-Jährigen Druckgeschwüre bekommen haben, gelten als gut. Maximal bei 0,8 Prozent dürfen Druckgeschwüre der schweren Stufen 2 bis 4 auftreten.
Fragen an das Krankenhaus:
„Wie stellen Sie sicher, dass in Ihrem Haus keine Druckgeschwüre entstehen?“
Hintergrund:
Sie sollten nach diesem Indikator fragen, wenn Sie beziehungsweise ein Angehöriger, dem eine Klinikbehandlung bevorsteht, zur Risikogruppe gehören. Gefahrenmomente sind zum Beispiel ein Alter jenseits der 75, Zuckerkrankheit oder Bettlägerigkeit. Es gibt durchaus Möglichkeiten, ein Druckgeschwür auch bei dafür anfälligen Patienten zu vermeiden. Dazu zählen zum Beispiel Spezialmatratzen, die mit wechselndem Luftdruck verhindern, dass einzelne Körperregionen zu lange belastet werden. Auch die Pflegekräfte – wenn ihre in der Regel hohe Arbeitsbelastung ihnen dazu die Zeit lässt – können etwas tun. Etwa indem sie bettlägerige Patienten regelmäßig bewegen und mit Spezialsalben einreiben.
Deshalb gilt dieser Qualitätsindikator auch als der bisher einzige, der die Qualität der Pflege in einem Krankenhaus sichtbar macht (siehe Hintergrundberichterstattung ). Zur Beurteilung, wie ausgeprägt ein Druckgeschwür ist, gibt es eine Einteilung, in der vier verschiedene Stadien beschrieben werden. Stufe 1: Es tritt eine Rötung der Haut auf, die vorerst nicht verschwindet. Stufe 2: Die Körperstelle weist Blasen oder Hautabschürfungen auf. Stufe 3: Eine tiefe Wunde ist entstanden, bei der Muskeln und Sehnen sichtbar werden. Stufe 4: Die Wunde ist derart offen, dass Knochen frei liegen. Dann droht Lebensgefahr.
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Ingo Bach, Hannes Heine, Matthias Lehmphul
Artikel zuletzt aktualisiert am: 01.07.2011
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