Wiebke Meister, 25 (Wassergeburt)

Es gibt viele Wege ein Kind zur Welt zur bringen – in einer Hebammenpraxis oder in einem Krankenhaus. Dabei sind nicht Ort oder Stellung per se entscheidend, sondern das eigene Gefühl der Schwangeren. Im Wasser lässt es sicht wunderbar entspannen – und gebären.

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Wiebke Meister, 25


Entbindung: Wassergeburt

Krankenhaus: DRK Kliniken Berlin Westend


Vorgeschichte:

Linus ist das Kind, das sich Wiebke Meister fast zehn Jahre lang gewünscht hat. “Mutter werden wollte ich schon immer”, sagt die 25-jährige Chemikerin. Doch erst einmal musste das Studium abgeschlossen und der richtige Partner gefunden werden. Dass es dann doch so schnell ging, konnte sie aber selbst kaum fassen. “Ich habe alle Anzeichen fehlgedeutet”, sagt Wiebke Meister. Erst als ihr im Kino von den Gruselszenen übel wurde, ahnte sie, dass sie schwanger war.


Die Aufnahme:

Noch vor der zwölften Schwangerschaftswoche meldete sie sich im Westend zum Vorgespräch an. Viele Kliniken gehen bereits bei der Aufnahme (die um die 30. Woche stattfindet) auf erste Wünsche der werdenden Mütter ein, beispielsweise eine Wassergeburt oder Schmerzlinderung durch örtliche Betäubung (Periduralanästhesie). Ein geplanter Kaiserschnitt war für Wiebke Meister hingegen keine Option. “Für mich ist die Geburt ein Prozess, den ich als Ganzes annehmen wollte”, sagt sie. Aber auch eine Wassergeburt hatte die junge Frau damals nicht im Sinn. Das habe so esoterisch geklungen, sagt sie lachend. “Baden ist bestimmt entspannend, aber unter Wasser ein Kind zu kriegen, das hatte ich nicht vor!”


Die Geburt:

Zwei Wochen vor dem Geburtstermin riss der Blasensprung Wiebke Meister aus dem Mittagsschlaf: Ihre Fruchtblase war geplatzt. Kurze Zeit später traf sie mit ihrem Freund in der Klinik ein. “Dem Schmerz kann man nicht entrinnen”, sagt Wiebke Meister. Besonders den Eröffnungswehen fühlte sie sich ausgeliefert. All die Positionen, die sie im Geburtsvorbereitungskurs geübt hatte, sie halfen nicht weiter. Da die kindlichen Herztöne stabil und keinerlei Komplikationen zu befürchten waren, schlug die Hebamme vor, es mit der Gebärbadewanne zu versuchen. “Da hatte ich das Gefühl, abtauchen zu können”, sagt Wiebke Meister. Sie verlor jegliches Zeitgefühl, konnte sich zurücksinken und vom Wasser halten lassen.


Guten Halt bot auch die große, runde Wanne selbst: Griffe für die Hände, Halter für die Füße. Keine vier Stunden nachdem sie das Krankenhaus betreten hatte, schwamm Linus in die Welt. Die Unterwassergeburt ist für Säuglinge kein Problem: Sie haben einen angeborenen Atemschutzreflex und halten im Wasser automatisch die Luft an. Erst als die Hebamme den Neugeborenen aus dem Wasser zog und gleich darauf seiner Mutter auf die Brust legte, nahm der Junge seinen ersten Atemzug. “Die Welt stand still”, erinnert sich Wiebke Meister. “Ich habe nichts anderes mehr wahrgenommen”” In der ersten Nacht machte sie kein Auge zu, vom Anblick ihres Sohnes konnte sie einfach nicht genug kriegen. “Danach war mir besonders wichtig, ordentlich stillen zu können”, sagt sie. Die Stillschwestern nahmen sich viel Zeit, um ihr dabei zu helfen, die anfänglichen Schwierigkeiten beim Anlegen in den Griff zu kriegen. Vier Tage nach der Entbindung brachte Wiebke Meister ihren Sohn nach Hause, in denselben Strampler gekleidet, den sie selbst vor 25 Jahren getragen hatte.




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