Khalid Chehade, 15 (Operative Entfernung des Tumors)

Ein Leben ohne Gehirntumor ist möglich. Doch der chirurgische Eingriff ist kompliziert und Folgeschäden können von den Spezialisten oft nicht ausgeschlossen werden.

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Khalid Chehade, 15


Diagnose: Hirntumor im linken Schläfenlappen

Behandlung: Operative Entfernung des Tumors im Oktober 2008

Klinik: Charité Virchow-Klinikum, Klinik für Neurochirurgie


Vorgeschichte:

Khalid Chehade lebt mit seiner Familie in Essen. Im Frühjahr 2008 ändert sich sein Leben: Urplötzlich beginnen ihn heftige Kopfschmerzen zu plagen. Später kommt eine unerklärliche Übelkeit hinzu. Der 15-Jährige, der gerne boxt und Fußball spielt, geht zum Arzt, will wissen, was mit ihm los ist.


Nichts Schlimmes, sagt der Doktor und verschreibt Schmerztabletten. Ob er Zigaretten rauche, fragt er noch. Nein, antwortet Khalid. Und denkt, es ist vorbei. Doch dann kommen die Krampfanfälle. Wieder Arztbesuche, wieder Entwarnung. Doch als Khalid Anfang Mai durch einen Krampfanfall zu Hause zusammenbricht, holt die Mutter einen Rettungswagen, der ihn in ein Krankenhaus bringt. Die Ärzte dort untersuchen seinen Kopf mit einem Computertomographen.


Die Diagnose:

Dann folgt der Schock. Auf den CT-Bildern ist deutlich ein Schatten erkennbar. Drei Zentimeter lang, in der Nähe des Schläfenlappens. Eine Biopsie, also eine Gewebeprobe, bringt Klarheit: ein bösartiger Tumor wuchert in Khalids Kopf. Nicht operabel, urteilen die Ärzte. Denn er reicht bis an den Hippocampus, wo unter anderem Gedächtnisprozesse ablaufen, er ist schwer zu erreichen und die möglichen Schäden durch die Operation seien zu gefährlich.


Also Chemo und Bestrahlung, sechs Wochen lang. Keine Besserung. Sie sagten zu mir, dass sie nichts mehr tun könnten, erzählt Khalid. Und schickten mich nach Hause. Er hat mittlerweile 40 Kilo zugelegt, wiegt jetzt fast 120 Kilogramm. Das Kortison, sagt er. Die Arznei soll gegen die Wasseransammlung im Hirn wirken, eine Folge der Chemotherapie. Dabei wollte ich eigentlich ein bisschen abnehmen.


Die Operation:

Die Eltern von Khalid Chehade wollen nicht akzeptieren, dass man nichts mehr tun könne. Ein Essener Arzt empfiehlt ihnen, sich an die Charité zu wenden, an den Hirnchirurgen Peter Vajkoczy. Der sagt: Wir machen das, kommen Sie mit Ihrem Sohn nach Berlin. Am 6. Oktober wird Khalid operiert. 90 Prozent des Tumors sind raus, sagt der Chirurg Peter Vajkozy. Es folgt wieder eine Chemo, mit einer Infusion direkt in die Hirnkammern, durch die Schädeldecke hindurch.


Der Kopf rund um die Narbe und um die Einstichstelle für die Fusion an der linken Seite ist noch immer geschwollen. Aber sonst lief der Eingriff ganz gut. Die befürchteten Gedächtnis- und Sprachstörungen bleiben aus. Das Schlimmste ist weg, sagt Khalid. Der Tumor ist raus. Optimismus aber strahlt der 15-Jährige trotzdem nicht aus. Es wird so kommen, wie Gott es will, sagt der gläubige Muslim. Und dann sagt er noch etwas, leiser: Ich möchte gern wieder so sein, wie ich vorher war.




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