St. Joseph Krankenhaus: Die Klinik für den Kiez

Der heilige Josef ist Namensgeber für gleich zwei katholische Krankenhäuser in Berlin. Der Bindestrich im Namen macht den Unterschied: Nicht um das St.-Joseph-Krankenhaus in Weißensee soll es hier gehen, sondern um das St. Joseph Krankenhaus, das in seinen Tempelhofer Kiez eingebettet ist.

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Foto: promo

Man sieht es nicht etwa von Weitem, wie viele andere Krankenhäuser, sondern erst, wenn man seinen Weg durch die schmalen, ruhigen Wohnstraßen rund um das relativ kleine Klinikgelände gefunden hat. Die Lage hängt mit der Geschichte des Hauses zusammen: Ende der zwanziger Jahre wurde es erbaut, während die Gegend ums Tempelhofer Feld als Wohnsiedlung erschlossen wurde.

Die Gründerinnen waren zwar katholische Ordensschwestern der Kongregation der Schwestern von der heiligen Elisabeth. Aber die Anwohner finanzierten den Bau. Denn die Ordensschwestern hatten damals gerade in der Inflation ihr Vermögen verloren. Also gaben sie Schuldverschreibungen an die Tempelhofer aus. Und weil es zunächst in der Nähe auch noch kein Gotteshaus gab, wurde die Kapelle des Krankenhauses zur Kiezkirche für die Anwohner, bis Ende der Dreißigerjahre.

Das erste Gebäude des Krankenhauses , das damals entstand, ist noch heute ein imposanter Bau mit Türmchen, der auch als Rathaus durchgehen würde. Durch den damaligen Haupteingang gelangt man noch immer geradewegs in die Kirche. Heute sind in dem Haus Nephrologie und Dialyse untergebracht. 12 000 Dialysen werden hier pro Jahr durchgeführt, das ist heute einer der Schwerpunkte des Krankenhauses. Aber weit und breit bekannt ist es vor allem wegen seiner Geburtshilfe und der Neonatologie. Mehr als 3000 Babys sind 2012 in den sieben Geburtsräumen des neuen Kreißsaals zur Welt gekommen, der zu den größten in Deutschland gehört. Die Informationsabende für werdende Eltern, die drei Mal pro Monat stattfinden, platzen aus allen Nähten.

Sie finden im sogenannten “Oval Office” statt, einem nüchternen modernen Konferenzraum, der auch in einem Wirtschaftskonzern für Meetings von Anzugträgern herhalten könnte. Die Geburtshilfeabteilung wirkt hell, geräumig und ebenfalls sehr modern. Geht man ein paar Schritte weiter zur olivgrünen, bedrückenden Gynäkologie im Achtzigerjahre-Stil, bekommt man endgültig den Eindruck, dass dieses Haus zumindest architektonisch eine Art Patchworkdecke ist, bei der die Flicken irgendwie nicht recht zusammenpassen wollen.

Auch der heutige Haupteingang mit Foyer, niedriger Decke aus dunklem Holz und dunkelblauen bodenhohen Fenstern wie in einer modernen Kirche passt nicht zum Rest. Vielleicht liegt es ja daran, dass das ganze Klinik-Ensemble kaum sakral wirkt – obwohl in den Krankenzimmern kleine Kreuze hängen und es noch immer in Trägerschaft der Ordensschwestern ist.




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