Selbsthilfegruppe für Internet-Süchtige - offline an der Schlosspark-Klinik

Das Internet könne eine Gefahr für Menschen werden, die zu Kauf-, Sex- oder Spielsucht neigen, so der Sucht-Spezialist Dr. Dirk Schmoll von der Schlosspark-Klinik. Aus dem Teufelskreis aus Rückzug, Schuld- und Schamgefühlen könnten sich viele dann nicht mehr aus eigener Kraft befreien. Eine Selbsthilfegruppe soll dabei helfen.


An der Schlosspark-Klinik wird gemeinsam mit der Beratungsstelle der Caritas “Lost in Space” eine Selbsthilfegruppe für Menschen gegründet, die das Internet zu ihrem alleinigen Lebensinhalt gemacht haben. Initiator und Leiter ist der Psychiater und Suchtspezialist Dr. Dirk Schmoll, Oberarzt der Abteilung für Psychiatrie. Menschen, die der Meinung sind, dass sie die Kontrolle über ihr Spielverhalten verloren haben, können sich hier von Anderen mit ähnlichen Erfahrungen beraten und helfen lassen. Sie werden dabei von Dirk Schmoll und den Psychologen der Caritas begleitet. Internetabstinenz ist keine Voraussetzung. Ziel für den Einzelnen ist vielmehr, die Kontrolle über das eigene Verhalten zurückzugewinnen.


Das Internet verdoppelt unsere Welt. Es ist ein virtueller Raum entstanden, der neue, großartige Möglichkeiten bietet, in dem man sich aber auch verlieren kann. Neben einer Flut an Informationen sind dort Spiele, Pornographie und ein unbegrenztes Angebot an Waren rund um die Uhr zugänglich. Damit kann das Internet eine Gefahr für Menschen werden, die zu süchtigem Verhalten wie Kauf-, Sex- oder Spielsucht neigen. Die Sucht wird zum einzig bestimmenden Lebensinhalt, der immer weniger Zeit für andere Interessen, Verpflichtungen und soziale Kontakte lässt.


Die Selbsthilfegruppe soll sich vor allem den interaktiven Spielen, die darauf angelegt sind, immer intensiver gespielt zu werden, widmet. Denn belohnt wird in diesen Spielen das “alter ego”, der selbsterschaffene Avatar (wie die Spielfigur genannt wird) mit einem Zuwachs an Macht, Stärke und Reichtum. Was in der realen Welt ersehnt wird, aber unerreichbar erscheint, ist im Netz möglich. Dort kann jeder der sein, der er zu sein wünscht. Zwischen 3% und 10% der Bevölkerung sollen spielsüchtig sein.


Vor allem junge Männer im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt würden süchtig, so Dirk Schmoll. Die Wissenschaft hält sich mit Erklärungen bisher allerdings noch zurück. Schmoll sagt, im jungen Erwachsenenalter stünden wichtige Entscheidungen im Hinblick auf Ausbildung, Beruf und Partnerschaft an, denen Menschen mit Hemmungen und Versagensängsten gerne ausweichten. Da stelle die digitale Scheinwelt eine tückische Verlockung dar.


Die Gruppe findet ab 15.09.2011 jeden Donnerstag von 18.00 bis 19.30 Uhr im Ärztehaus, 1. Etage, Raum 122 statt. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht nötig.


(übermittelt am 29.08.2011)



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