Schalganfall: Schädelöffnung kann Leben retten

Nach einem sehr schweren Schlaganfall entfernen Ärzte mitunter Teile der Schädeldecke: Denn diese “Hemikraniektomie” nimmt den Druck vom Hirn und erhöht so die Überlebenschancen deutlich.

Jetzt hat eine Studie gezeigt, dass auch Patienten über 60 Jahre von einem solchen Eingriff profitieren. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) weisen jedoch darauf hin, dass der Preis in vielen Fällen die Patienten dauerhaft pflegebedürftig bleiben.


Bei einer Hemikranektomie hebt der Operateur Teile des knöchernen Schädels ab. Das freigelegte Gehirn wird vorübergehend nur durch Hirn- und Kopfhaut geschützt. Das angeschwollene Hirngewebe kann auf diese Weise langsam abschwellen, ohne dabei gesundes Hirngewebe durch Druck zu schädigen. Danach setzt der Arzt die entnommene Schädeldecke wieder ein.


Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der DGN erklärt, “vor einigen Jahren hatte eine Studie gezeigt, dass Betroffene unter 60 Jahren deutlich häufiger überleben, wenn innerhalb von 48 Stunden nach dem Schlaganfall Hemikraniektomie erfolgt”. Bei der Altersgruppe blieben schwere Behinderungen nach einem solchen Eingriff selten zurück, erläutert Gabriele Schackert, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum der TU Dresden und Erste Vorsitzende der DGNC.


Eine aktuelle Studie an mehreren Schlaganfallzentren in Deutschland untersuchte nun die Vor- und Nachteile einer Hemikraniektomie bei über 60-Jährigen. Die Sterblichkeit wäre mit Hilfe der Operation fast halbiert worden – von 76 auf 43 Prozent, erklärt Eric Jüttler, Oberarzt der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm und Erst-Autor der Studie. “Allerdings blieb ein Drittel der operierten Patienten, die überlebten, sehr schwer behindert und wird dauerhaft auf Hilfe angewiesen sein”. Deshalb gelte es in jedem einzelnen Fall und auch generell sehr kritisch abzuwägen, ob sich die Methode auch für ältere Schlaganfallpatienten eigne.


Konservative Therapien zur Senkung des Hirndrucks konzentrieren sich auf die Gabe von Medikamenten. Zum Einsatz kommt auch eine Kältebehandlung, Hypothermie genannt, bei der die Körpertemperatur auf 35 Grad gesenkt wird. Durch die Kühlung des Gehirns wird dessen Sauerstoffverbrauch reduziert und somit Folgeschäden vorgebeugt. Die Wirksamkeit der Hypothermie wird derzeit in einer großen europäischen Studie geprüft. Beide Methoden, die Hemikraniektomie wie auch die Hypothermie, werden auch bei Patienten mit einem Schädelhirntrauma eingesetzt, um der Hirnschwellung entgegenzuwirken. Jüngstes Beispiel für eine solche Kombinationstherapie ist Michael Schumacher.


“Welche Therapie die richtige ist, muss im Einzelfall entschieden werden”, fasst Diener zusammen. “Für junge Schlaganfallpatienten ist die Hemikraniektomie auf jeden Fall eine sinnvolle Behandlung. Wichtig ist, wie generell nach einem Schlaganfall, eine zeitnahe Behandlung.”





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