Neue Studie: Schlaganfallsymptome früh behandeln vermeidet Behinderungen

Die Chance, einen Schlaganfall ohne anschließende Behinderungen zu überleben, ist deutlich höher, wenn an der Klinik bestimmte Behandlungsstandards gelten. Sie steige, wenn Ärzte Begleitsymptome wie hoher Blutzucker, Fieber und Schluckstörungen bereits früh behandelten. Die konsequente Behandlung dieser drei Symptome sei neben der Thrombolyse von entscheidender Bedeutung für den anschließenden Grad der Behinderung, heißt es in einer Mitteilung der Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und der Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) anlässlich einer neuen Studie aus Australien.

Die DSG und die DGN halten eine spezielle Schulung des Personals für sinnvoll. In Deutschland bieten 205 zertifizierte Spezialeinheiten für Schlaganfallpatienten in neurologischen Kliniken, sogenannte Stroke Units, modernste Therapiemöglichkeiten. In Berlin sind es acht.

Im Zentrum der akuten Schlaganfallbehandlung steht die Thrombolyse: Dabei lösen die behandelnden Ärzte mit einem Medikament das Blutgerinnsel im Gehirn auf, das den Schlaganfall verursacht hat. “Je früher diese Therapie verabreicht wird, desto höher ist der Nutzen”, erläutert Professor Dr. med. Matthias Endres, 1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. “Bei vielen Schlaganfallpatienten kann dadurch das Ausmaß der Behinderungen nachweislich verringert werden”, so der Direktor der Klinik für Neurologie an der Charité. Die Therapie auf den Stroke Units dürfe sich aber nicht allein auf die Thrombolyse beschränken. Ebenso wichtig ist die Behandlung von Komplikationen des Schlaganfalls. Dazu gehörten unter anderem ein Anstieg der Körpertemperatur, hohe Blutzuckerwerte und Schluckstörungen.

Eine Studie von Schlaganfallexperten in Australien habe jetzt gezeigt, dass die konsequente Behandlung dieser drei Symptome die Behandlungsergebnisse deutlich verbesserten, heißt es in der Mitteilung. Die Forscher verglichen zwei Gruppen von Stroke Units. In einer Gruppe erhielt das Behandlungsteam eine spezielle Schulung. Dabei wurde angewiesen, bei allen Schlaganfallpatienten alle vier Stunden die Körpertemperatur zu messen, Fieber konsequent mit Paracetamol zu behandeln und den Blutzucker zu senken. Das Pflegepersonal lernte außerdem, Schluckstörungen bei ihren Patienten frühzeitig zu erkennen. Das Behandlungsteam in der Vergleichsgruppe blieb ungeschult. Dort kam es bei 58 Prozent der Schlaganfallpatienten zu schweren Behinderungen oder Tod. In den Kliniken, in denen die Behandlungsstandards eingehalten worden waren, sank diese Rate auf 42 Prozent. Bei den Überlebenden verbesserte sich die Lebensqualität deutlich. In der australischen Studie wurde im Mittel jeder sechste Patient durch das Behandlungsmanagement von Fieber, hohem Blutzucker und Schluckstörungen vor Tod oder schweren Behinderungen bewahrt. Bei der Thrombolyse liegt diese “Number Needed to Treat” bei acht bis 14 Patienten.

Die Schulung des Personals ist aus Sicht der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie eine sinnvolle Investition, mit der die Kliniken ihre Behandlungsergebnisse verbessern können. Auf den zertifizierten Stroke Units in Deutschland ist dies bereits gängige Praxis.


(übermittelt am 7. Februar 2012)




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