Krebsforschung

Noch vor 35 Jahren verstarben zwei Drittel der Patienten innerhalb von fünf Jahren nach der Krebsdiagnose. Heute können etwa fünfzig Prozent der Patienten dauerhaft von ihrem Tumorleiden befreit werden, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)

Die DGIM nennt mehrere Ansätze, an denen zurzeit besonders intensiv geforscht würde.

“Erkenntnisse in der molekularen Medizin haben zu komplett neuen Therapieansätzen geführt”, sagt Nisar P. Malek, Leiter der Abteilung Innere Medizin I am Universitätsklinikum Tübingen. Dabei ginge es darum, nicht wie früher unspezifisch auf einen Tumor einzuwirken, sondern zielgerichtet und unmittelbar. Ein Ziel dieser neuen Ansätze seien Signalwege: Denn Zellen und Gewebe im menschlichen Organismus würden miteinander “kommunizieren”, indem sie Signale vom Zelläußeren in deren Inneres übertragen.


Eine große Rolle für die Kommunikation spiele das so genannte Signalmolekül “c-MET”, dessen Aktivität sich bei mehrere Krebserkrankungen deutlich erhöhen würde. Ein Therapieansatz sei es deshalb, Wirkstoffe zu entwickeln, die c-MET hemmen, wie beispielsweise der Inhibitor ARQ 197. Der auch Tivantinib genannte Wirkstoff steht derzeit in der dritten Phase der klinischen Prüfung für die Zulassung bei Leberzellkrebs, steht also unmittelbar vor der Anwendung. Auch für andere Tumorerkrankungen durchläuft er derzeit Studien.


Ein weiterer möglicher Weg zur Krebsbekämpfung sei, das Immunsystem dazu zu bringen, die Tumorzellen zu bekämpfen. Ein Wirkstoff mit diesem Prinzip, Ipilimumab, ist bereits seit 2011 für Patienten mit fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs zugelassen.


Vorerst noch im klinischen Stadium befänden sich virotherapeutische Ansätze: Ihnen zugrunde liegt die Erkenntnis, dass sich Tumorerkrankungen während einer Viruserkrankung verbessern würden.Geforscht würde derzeit unter anderem mit Herpes- oder Masernviren. Außerdem beschäftige sich die Forschung mit einer Therapie, in deren Mittelpunkt die Zerstörung von Tumorstammzellen steht. Dahinter stecke die Idee, dass die Stammzellen der eigentliche “Motor” der Krebserkrankung sind. Doch richten sich klassische Behandlungsmethoden wie Chemotherapie oder Bestrahlung vor allem gegen differenzierte Tumorzellen. Die sich nur langsam teilenden Stammzellen würden die Behandlung dagegen oft überleben und so Jahre später womöglich einen Rückfall auslösen.





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