Alzheimer: Charité forscht an Möglichkeit der Früherkennung und Behandlung

Wissenschaftlern der Charité, des Universitätsklinikums Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn konnten erstmals nachweisen, dass schon bei nur subjektiv empfundenen Gedächtnisverschlechterungen Veränderungen in einer bestimmten Gehirnstruktur sichtbar sein können. Dies typischen Hirnveränderungen könnten einen Ansatz zur Früherkennung bieten – und damit zur frühzeitigen Behandlung, teilte die Charité jetzt mit.

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Foto: Charité – Universitätsmedizin Berlin

Zwar entwickelt nicht jede Person mit subjektiven Gedächtnisstörungen eine Alzheimer-Erkrankung, aber fast jeder Patient mit Alzheimer entwickelt zunächst subjektive Gedächtnisstörungen, die sich bis jetzt nicht objektivieren ließen, heißt es in der Mitteilung.

Die Alzheimer-Erkrankung ist die häufigste Ursache der Demenz. Der Schlüssel zur Demenz-Prävention liege in einer möglichst frühen Diagnose. Seit einigen Jahren sei gesichert, dass bei Personen, die bereits eine leichte objektive Gedächtnisstörung aufweisen, eine beginnende Alzheimer-Erkrankung mittels bildgebender Verfahren und Liquoruntersuchungen feststellbar ist. Noch besser sei es jedoch, Hinweise auf eine solche Erkrankung in einem noch früheren Stadium festzustellen. Forscherinnen und Forscher fanden nun Hinweise auf Hirnfunktionsstörungen schon bei Personen, die lediglich eine subjektive Verschlechterung des Gedächtnisses spüren, ohne dass Minderleistungen in objektiven Verhaltensuntersuchungen schon nachweisbar wären.

Die Gruppe um Professor Frank Jessen (Bonn), Privatdozentin Susanne Erk und Professor Henrik Walter (beide Charité) konnte mittels funktioneller Kernspintomographie zeigen, dass ältere Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen bereits eine funktionelle Störung im Bereich des Hippokampus aufweisen (siehe Foto). Der Hippokampus ist eine Hirnstruktur, die unter anderem für die Gedächtnisbildung zuständig und die bei der Alzheimer-Erkrankung zuerst betroffen ist. Personen mit subjektiven Gedächtnisstörungen zeigten im Experiment eine verminderte Aktivierung des Hippokampus während einer Gedächtnisaufgabe. Gleichzeitig kam es zu einer vermehrten Aktivierung des rechten Frontalhirns. »Diese frontale Mehraktivierung hat vermutlichen kompensatorischen Charakter« so Prof. Walter, Leiter des Forschungsbereich Mind and Brain an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité. »Sie gleicht das hippokampale Defizit aus, was erklären kann, warum in den Gedächtnistests dieser Gruppe die Leistung nicht schlechter war als in einer altersgleichen Kontrollgruppe ohne subjektive Gedächtnisstörungen«. Prof. Frank Jessen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Bonn, sieht für die Zukunft auch eine mögliche klinische Relevanz: »Zumindest sind wir damit unserem Ziel nähergekommen, in Zukunft die bis jetzt rein klinische Frühdiagnostik subjektiver Gedächtnisstörungen bei Verdacht auf Alzheimer-Demenz durch nichtinvasive objektive Hirnuntersuchungen zu unterstützen«.




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