Telefonieren: Anschluss am Bett

Nur selten bieten Krankenhäuser Telefon-Flatrates an. schnell sammeln sich beachtliche Höhen auf den Patientenkonten an. Imm mehr Patienten nutzen deshalb auf den stationen ihre privaten Handys – obwohl dies meist verboten ist.

Telefone am Krankenbett gehören in Berliner Krankenhäusern schon lange zum Standard: Entweder, sie stehen von vornherein im Patientenzimmer oder sie werden auf Wunsch installiert. Freigeschaltet werden sie meist mithilfe eines Codes, abgerechnet über eine aufladbare Telefonkarte. Dass es dabei für Patienten teuer werden kann, wenn sie ihre Angehörigen aus der Klinik anrufen, ist allgemein bekannt. Denn nur selten bieten Krankenhäuser ihren Patienten die mittlerweile im privaten wie im geschäftlichen Bereich üblichen Flatrates an, also Pauschaltarife, die eine unbegrenzte Anzahl und Dauer von Gesprächen zu einem festen, niedrigen Preis ermöglichen. Meist rechnen sie die einzelnen Telefonate nach Zeittarifen ab, bei denen die Länge einer Einheit je nach Art des Telefonats variieren kann. "Das Tarifsystem vieler Kliniken ist schwer durchschaubar, über die tatsächliche Taktung der Einheiten informieren sie ihre Patienten nur selten ausreichend", kritisiert Florian Mair, Vorsitzender des Online-Verbraucherschutz e. V., der unter anderem das Gütesiegel "Das faire Telefon in der Klinik" herausgibt. So könne es schnell passieren, dass für ein zehnminütiges Telefonat statt einem Euro drei gezahlt werden müssten. Verglichen mit den heute üblichen Telefonkosten erinnert aber selbst ein Preis von einem Euro für ein Gespräch von zehn Minuten an Zeiten, in denen die Deutsche Telekom noch eine Monopolstellung innehatte. Um Geld zu sparen, lassen sich daher viele Patienten lieber im Krankenhaus anrufen. So müssen sie lediglich eine tägliche Grundgebühr von im Schnitt ein bis zwei Euro entrichten, die die Krankenhäuser dafür erheben, dass sie den Telefonanschluss bereitstellen. Vor ein paar Jahren richteten allerdings deutschlandweit zahlreiche Krankenhausbetreiber Servicenummern für die Patiententelefone ein. Diese beginnen in der Regel mit der Vorwahl 01805 und bedeuten für die Angehörigen von Patienten erhebliche Mehrkosten: Pro Minute werden aus dem deutschen Festnetz in der Regel 14 Cent fällig, vom Handy aus sind es seit dem 1. März 2010 maximal 42 Cent. Um gegen diese für Florian Mair "absolut inakzeptableAbzocke" vorzugehen, rief der Online-Verbraucherschutz zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten e. V. (DGVP) und der Internetplattform teltarif.de Anfang 2010 eine Meldeliste ins Leben, in der Betroffene Krankenhäuser eintragen können, die teure Servicenummern verwenden. Mit bisher großer Resonanz, wie Florian Mair bestätigt: "Mittlerweile stehen 200 Kliniken auf der Meldeliste, 200 weitere werden noch geprüft. Für Berlin findet sich bisher nur ein Eintrag: Eine Rehabilitations-Klinik aus dem Südwesten der Stadt, die die Servicenummern nach eigener Aussage lediglich vorübergehend eingerichtet hat, um die Telefonanlage zu finanzieren. Insgesamt sind laut Verbraucherzentrale Berlin die Beschwerden über zu hohe Krankenhaus-Telefonrechnungen zurückgegangen. Einen möglichen Grund dafür nennt Katrin Stötzner, die Patientenbeauftragte der Stadt Berlin: "Seitdem Patienten in immer mehr Kliniken ihre Handys nutzen können, sind die hohen Tarife der Krankenhaustelefone so gut wie kein Thema mehr." Tatsächlich sind Handys in den meisten Einrichtungen zwar nicht ausdrücklich erlaubt, aber geduldet – zumindest auf "normalen" Stationen. Überall dort, wo die Gefahr besteht, dass sie mit ihrer Strahlung empfindliche technische Geräte stören könnten, bleiben sie aus Sicherheitsgründen weiterhin strikt verboten: zum Beispiel auf der Intensivstation, der Kardiologie oder im OP-Saal.



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