Peddigrohre

Rattan kann leicht geflochten werden und hilft so in der Ergotherapie Krebs- und Diabetespatienten, die unter tauben Fingerspitzen leiden

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Was sind Peddigrohre?

Diese werden aus dem Stamm der tropischen Rotangpalme gewonnen. Das Holz dieser bis zu 200 Meter langen Liane, die an anderen Pflanzen emporklettert, zeichnet sich durch unzählige Hohlräume aus. Diese ermöglichen dem Klettergewächs, Wasser aus den Wurzeln auch in den entlegensten Trieb zu transportieren, und verleihen ihr zugleich ihre hohe Flexibilität. Diese Biegsamkeit des auch unter dem Namen Rattan bekannten Holzes wird schon seit Jahrhunderten von Handwerkern geschätzt. Sie flechten das Rattan zu kunstvoll verwobenen Materialien, aus denen Stühle, Kisten und Tische gebaut werden.


Wozu braucht man Peddigrohre?

Krebspatienten, die eine Chemotherapie hinter sich haben, leiden nicht selten unter tauben Fingerspitzen. Der Grund: Die verabreichten Medikamente vernichten nicht nur Tumorzellen, sondern auch gesundes Gewebe wie zum Beispiel die empfindlichen Nervenzellen. Mediziner nennen diese Nervenschädigung Polyneuropathie. Doch die Erkrankung tritt nicht nur als Nebenwirkung auf, auch rund die Hälfte aller Diabetiker entwickelt früher oder später diesen Nervendefekt. Mit ihm einhergeht oft auch ein Verlust von motorischen Fähigkeiten. In der Ergotherapie arbeiten die Patienten deshalb mit allerlei verschiedenen Materialien – das soll das Gefühl in den Händen wieder beleben. “Peddigrohr bietet viele unterschiedliche Sinneseindrücke: von der Oberflächenstruktur, der Biegsamkeit bis zur Dicke”, sagt Sarah Wilde, Ergotherapeuten an der Klinik am See. Und beim Flechten sei Fingerspitzengefühl gefragt – das übe die Feinmotorik.


Wie werden Peddigrohre verwendet?

In der Ergotherapie gehen es die Flechtenden mit Untersetzern, Bleistifthaltern oder Brotkörbchen etwas ruhiger an als im Handwerk. Damit das trockene Peddigrohr seine ursprüngliche Elastizität wiedererlangt, weichen es die Patienten zunächst in Wasser ein. Danach stehen zahlreiche Flechttechniken zur Wahl, je nach Geschick und dem Muster, das daraaus entstehen soll. “Die Patienten konzentrieren sich dabei auf die sich wiederholenden Flechtbewegungen”, sagt Sarah Wilde. Das stimuliere nicht nur die Sinne, sondern ließe den Betroffenen auch abschalten von Klinikalltag und Krankheit. Deswegen werde die Ergotherapie auch gern als Treffpunkt genutzt, um sich mit anderen Patienten ungezwungen auszutauschen.



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