Magnetresonanztomograf

Wie es um die inneren Organe eines Patienten bestellt ist, verrät der Magnetresonanztomograf. Offene MRTs ermöglichen aber auch präzise operative Eingriffe

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Foto: Mike Wolff

Was ist das für ein Gerät?

Der Magnetresonanztomograf (MRT) wird seit 1984 in deutschen Praxen und Kliniken eingesetzt, um mittels Magnetfeldern und Radiowellen innere Organe und Gewebe bildlich darzustellen. Im Gegensatz zu Röntgengeräten oder Computertomografen verwendet das Gerät keine ionisierende, also in hohen Dosen schädliche Strahlung.
Der klassische Magnetresonanztomograf ist eine lange Röhre, in die der Patient teilweise oder ganz hineingeschoben wird. Der offene MRT besteht hingegen aus zwei horizontal angeordneten Scheiben, in deren 45 Zentimeter hohen Spalt der Patient liegt. Dadurch ist der Patient für die Mediziner ringsherum zugänglich. Herkömmliche, röhrenförmige MRTs kosten in der Anschaffung meist eine Million Euro. Das sieben Tonnen schwere offene MRT lässt sich der Hersteller mit rund eineinhalb Millionen Euro vergüten.


Wozu braucht man dieses Gerät?

Magnetresonanztomografien eignen sich besonders gut für kontrastreiche Aufnahmen, vor allem nicht-knöcherner Strukturen wie Bandscheiben, Gelenkknorpel oder Organen wie Hirn und Herz. Strukturen mit einem geringen Wassergehalt, wie die Knochen oder mit einem hohen Luftanteil wie die Lunge lassen sich im MRT allerdings nur schlecht darstellen.
Die Vorteile des offenen MRT liegen in dessen geräumiger Bauweise. Er eignet sich immer dann, wenn viel Platz gefragt ist: Sei es bei Patienten mit starkem Übergewicht (bis zu 320 kg), Klaustrophoben, sprich Patienten mit Raumangst oder bei operativen Eingriffen direkt im MRT. “Die offene Bauart ermöglicht nicht nur eine erweiterte Diagnostik, sondern auch therapeutische Anwendungen wie minimal-invasive Operationen im MRT”, sagt Felix Güttler, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft offenes MRT an der Charité. Mediziner der Charité führen im offenen MRT minimal-invasive Eingriffe, wie Herzkatheruntersuchungen oder Schmerztherapien an der Wirbelsäule durch. Während die Sicht des Mediziners auf das Operationsfeld bei herkömmlichen minimal-invasiven Verfahren durch das kleine Sichtfeld der Endoskope meist eingeschränkt ist, liefert der MRT dem Operateur rund alle drei Sekunden eine große, detaillierte Aufnahme aus dem Körper. “Dies ermöglicht sehr präzise Eingriffe.”


Wie funktioniert das Gerät?

Die wichtigsten Bauteile im Kernspintomografen, wie der MRT auch genannt wird, sind zwei Elektrospulen und ein leistungsstarker Radiosender. Die Spulen erzeugen ein sehr starkes dauerhaftes magnetisches Feld, dass die Atomkerne des menschlichen Körpers in eine bestimmte Richtung drehen. Dadurch erst können die Atome des Körpers durch Radiowellen angeregt und in Schwingung (Resonanz) gebracht werden. Wird der Radiosender abgeschaltet, kehren die körpereigenen Atomkerne wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück. Dabei senden sie je nach Gewebezusammensetzung (Blut, Fett, Muskel, etc.) individuelle Signale aus, die – aufgefangen von hochempfindlichen Antennen – per Computer zu einem Schnittbild durch den Körper zusammengesetzt werden.
MRTs erzeugen während der Untersuchung laute Klopfgeräusche die bis zu 90 Dezibel laut sein können. Patienten wie auch Mediziner tragen während der Untersuchung deshalb Schallschutz-Kopfhörer. Das extrem starke Magnetfeld wirkt nicht nur auf die Atome des menschlichen Körpers, sondern auf alle ferromagnetischen Materialien, wie Eisen, Stahl oder Nickel. Deshalb müssen die Patienten vor der MRT-Untersuchung Accessoires wie Brillen, Hörgeräte, Uhren und Ringe ablegen. Denn das Magnetfeld würde sie so stark anziehen, dass sie zu gefährlichen Geschossen werden könnten. Für den Menschen selbst sei das Magnetfeld dagegen harmlos, sagt Felix Güttler.
Was aber ist mit Patienten, die Metallteile im Körper haben, etwa Künstliche Knie- oder Hüftgelenke , metallische Herzklappen oder Herzschrittmacher ? Für sie ist eine Untersuchung mit dem Kernspin tabu. Aber: “Immer mehr Implantate sind aus nicht-magnetisierbaren Biomaterialien, wie Kunststoff, Gold oder Titan”, sagt Güttler und auch MRT-fähige Herzschrittmacher werden zunehmend implantiert.



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