Blutzuckermessgerät

Es ist eine Art Navigationsgerät für Diabetiker – das Blutzuckermessgerät. Und per Adapter und App bestimmt selbst das Handy zuverlässig Über- und Unterzuckerung

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Was ist ein Blutzuckermessgerät

Es ist gerade so groß wie ein Handy. Als “eine Art Navigationsgerät durch den Diabetikeralltag” bezeichnet es Christina Wolff, Diabetesberaterin im MediClin Reha-Zentrum im Spreewald. “Es zeigt Menschen mit Diabetes an, wo sie zwischen Über- und Unterzuckerung stehen.”


Wie funktioniert das Gerät?

Zur Blutentnahme, um den Blutzucker zu messen, braucht es zunächst eine sogenannte Stechhilfe. Sie schießt mittels Feder eine winzige Lanzette in die Fingerkuppe, so dass ein Blutstropfen austritt. “Vor allem der Zeigefinger sollte dabei aber geschont werden”, rät Wolff ihren Patienten. Denn die Sensibilität der Finger nimmt bei häufigem seitlichem Stechen ab. Und wer dann als Folge seines Diabetes eines Tages erblindet, tue sich dadurch schwerer mit dem Ertasten der Blindenschrift. Der Blutstropfen wird mit einem Teststreifen aufgesogen, der ihn ins Geräteinnere transportiert. Durch die elektrische Leitfähigkeit des Blutes wird der Zuckerwert bestimmt. Nach wenigen Sekunden erscheint eine Zahl auf dem Display. Sie entscheidet, was gegessen und getrunken werden darf oder wie viel Insulin vor dem Essen gespritzt werden muss.


Wie wird das Gerät angewendet?

In der Reha üben die Patienten, mit dem für sie lebenswichtigen Gerät umzugehen. Für den Zucker im Blut gibt es zwei Maßeinheiten: Millimol pro Liter und Milligramm pro Deziliter. Die Bandbreite der Messgeräte ist groß. Mit dem passenden Adapter und einer App lässt sich sogar das Handy in ein Blutzuckermessgerät verwandeln. Standardgeräte sind für Diabetespatienten meist kostenlos. Nicht aber das Equipment: Ein Blutzuckerteststreifen kostet zwischen 25 und 55 Cent, pro Monat sind das Kosten von bis zu 85 Euro. Für Insulinpflichtige werden sie je nach Erkrankungsart und Bundesland anteilig oder ganz von den Kassen übernommen. Typ-2-Patienten, die sich kein Insulin spritzen, müssen seit Oktober 2011 mit wenigen Ausnahmen selbst dafür bezahlen. Diabetikerverbände halten die Entscheidung für falsch. “Das ist fachlich unverständlich”, sagt auch Wolfram Kamke, Chefarzt des MediClin Reha-Zentrums. Hoher Zucker tue nicht weh, deshalb bestehe die Gefahr, dass Patienten die Krankheit verdrängten. “Aber gerade die Patienten im frühen Diabetesstadium müssen motiviert und gut geschult werden, um Folgeschäden zu verhindern.”



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