Biofeedbackgerät

Leiden Patienten nach einer Operation unter Inkontinenz können Biofeedbackgeräte helfen den Beckenboden zu trainieren, um den Harn zu kontrollieren

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Foto: Mike Wolff

Was ist ein Biofeedbackgerät?

Dieses Instrument wird häufig nach onkologischen Operationen wie beispielsweise der Prostataentfernung, der Entfernung des Enddarms oder nach gynäkologischen Operationen eingesetzt. Biofeedbackgeräte für das Beckenbodentraining gibt es in zahlreichen Ausführungen von verschiedenen Herstellern. Allen gemein ist, dass eine Elektrode die Muskelkontraktion im Körperinneren misst und diese visualisiert oder in Töne umsetzt. Dazu wird entweder eine Sonde wie ein Zäpfchen schmerzfrei rektal oder vaginal eingeführt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass zwei je drei Zentimeter große Elektroden nach einer Prostataentfernung oberhalb des Schambeins und auf dem Damm aufgeklebt werden. Einige Biofeedgeräte regen zusätzlich das Muskelwachstum durch eine Elektrostimulation an.


Wozu braucht man das Gerät?

Krebspatienten leiden oft unter Inkontinenz, wenn ihnen bei einer Prostataoperation auch der innere Schließmuskel der Blase entfernt wurde. Einige können dann den Harn gar nicht halten, andere macht eine sogenannten Belastungsinkontinenz zu schaffen: Wenn sie lachen, husten oder sich anstrengen, kann der verbliebene äußere Schließmuskel den Druck, der auf ihm lastet, nicht mehr standhalten. Doch die Funktion des verlorenen Ventils kann die Beckenbodenmuskulatur übernehmen.


Wie wird das Gerät eingesetzt?

Um den verbliebenen Blasenschließmuskel zu entlasten, muss die Beckenbodenmuskulatur oft erst trainiert werden. “Dabei sind Koordination, Kraft und Ausdauer gefragt”, sagt Sonja Soeder, Leiterin der Physiotherapie des Deutschen Beckenbodenzentrum im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin-Mitte. Wichtig sei es, nur die lokale Beckenbodenmuskulatur anzuspannen und nicht das Gesäß. Dabei versucht der Patient, die Peniswurzel durch Muskelanspannung nach oben zu ziehen. Dazu setzt Soeders Team in der Einzelphysiotherapie, in der je ein Therapeut einen Patienten betreut, das Gerät ergänzend ein: Es zeigt dem Übenden auf einem Laptop, ob er den richtigen Muskel kontrahiert. Ist die Technik einmal erlernt, können die Patienten fortan mit dem Gerät zu Hause trainieren – bis zu einem Jahr mehrmals täglich. Um den Muskel nicht zu überlasten, sollten es die Männer jedoch mit dem Training auch nicht übertreiben. “Weniger ist mehr”, sagt Soeder.



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