Tabakentwöhnung: Die letzte Kippe

Für Raucher, die aufhören wollen, kann ein verhaltenstherapeutisches Gruppenseminar sinnvoll sein


Mark Twain konnte es nicht lassen. “Mit dem Rauchen aufzuhören, ist das Leichteste der Welt, ich habe es schon hundert Mal geschafft”, schrieb er einst. Rauchen ist eine Sucht, Nikotin eine Droge. Wie jeder Süchtige kämpft der Nikotinaussteiger mit den körperlichen und psychischen Folgen des Entzugs: Konzentrationsschwäche, Reizbarkeit, Nervösität. Kommt dann noch Stress auf der Arbeit oder ein Glas Bier in der Kneipe hinzu, ist wirklich ein starker Wille nötig, um nicht wieder zur Zigarette zu greifen.

Was passiert bei der Gruppentherapie?

Nichtraucherseminare dauern sechs bis zehn Sitzungen. Maximal zwölf Nikotinaussteiger sollten teilnehmen, um eine individuelle Betreuung zu gewährleisten. Zunächst lernen die Teilnehmer, ihr Rauchverhalten zu beobachten, um später besser auf kritische Situationen reagieren zu können. Danach planen sie zusammen mit Psychologen den Rauchstopp, der bei Bedarf durch Medikamente unterstützt werden kann. Doch mit einem Entzug vom Tabak ist es nicht getan. Um dauerhaft abstinent zu bleiben, lernen die Ex-Raucher, sich selbst fürs Durchhalten zu belohnen. Entspannungstechniken sollen helfen, ohne Kippe auszukommen. Zuletzt lernen die Teilnehmer, Rückfallsituationen zu meistern.

Wem nutzt eine professionelle Tabakentwöhnung?

Viele schaffen es auf eigene Faust. Laut einer im Fachjournal “PLoS Medicine” veröffentlichten Studie gewöhnen sich zwei Drittel bis drei Viertel der Ex-Raucher ihr Laster erfolgreich ganz allein ab. Sie schaffen den Absprung vom Nikotin entweder von einem Tag auf den anderen oder reduzieren peu à peu die Giftzufuhr – ohne Hilfsmittel wie Nikotinpflaster oder psychologische Begleitung. Simon Chapman, Autor der australischen Studie, kritisiert, dass viele Anti-Raucher-Kampagnen Werbung für Produkte zum Tabakersatz machen würden und so den Eindruck vermittelten, dass Ersatztherapien zur erfolgreichen Rauchabstinenz nötig seien. Die Folge seien entmutigte Raucher, die nicht mehr daran glaubten, ohne Hilfsmittel aufhören zu können.

Konkrete Hinweise, wie man einen Rauchstopp vorbereitet und durchführt, gibt das Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums (Mo.– Fr. 14–17 Uhr unter (06221) 42 42 -00. Krebspatienten, die Infos zum Rauchstopp wünschen, wählen am Ende -24. Auch die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung berät unter Tel. (01805) 31 31 31 (0,14 Euro/min Festnetz, max. 0,42 Euro/min Mobilfunk) und im Netz auf www.rauchfrei-info.de

Wer zahlt die Kurse?

Der Bundesverband der Pneumologen (BdP) und das Deutsche Krebsforschungszentrum fordern, die Nikotinsucht anderen Suchterkrankungen gleichzustellen und die Tabakentwöhnung als Pflichtleistung der Krankenkassen gesetzlich vorzuschreiben. Denn bisher ist die Rauchentwöhnung eine freiwillige Leistung der Kassen – einige erstatten 50 bis 80 Prozent der Kosten, die sich auf 100 bis 300 Euro allein für die Gruppentherapie summieren können. Die AOK bietet ihren Versicherten ein kostenloses verhaltenstherapeutisches Programm an. Informationen unter der kostenfreien Telefonhotline: 0800/2650800. Wem die Kurse zu teuer sind oder wer Gruppentherapien scheut, der findet Rat und Hilfe in Selbsthilfehandbüchern, zum Beispiel von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Broschüre “Ja – ich werde rauchfrei” gibt es kostenlos als PDF zum Herunterladen (www.bzga. de) oder ist portofrei auf dem Postweg erhältlich.

Wer bietet Entwöhnungskurse an?

Eine umfangreiche Datenbank von Anbietern professioneller Raucherentwöhnungen bietet das Deutsche Krebsforschungsszentrum unter www.anbieter-raucherberatung.de an.

Welche Alternativen gibt es?

Akupunktur, Hypnose, progressive Muskelentspannung, Autogenes Training und Sport können sich subjektiv positiv auswirken – ihre Wirkung wurde jedoch bisher nicht in Studien nachgewiesen.



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