Hintergrund: Wie man Vorhofflimmern einfrieren kann

Herzrythmusstörungen mithilfe von kleinen Erfrierungen zu behandeln, ist eine neu entwickelte Methode. Das Herzzentrum Brandenburg wird diesen Eingriff am Sonnabend, dem 2. November 2013, bei der Liveübertragung an einem Patienten demonstrieren.

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Grafik: Fabian Bartel/Tsp


Der Patient leidet an der häufigsten Form der Herzrhythmusstörung, dem so genannten Vorhofflimmern , leidet. Über eine Million Menschen sind allein in Deutschland davon betroffen. Dabei schlägt das Herz zu schnell, die Pulsfrequenz beträgt mehr als 100 Schläge in der Minute. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein: Das Herz rast, während der Puls sehr schnell oder unregelmäßig ist, es kommt zu Schwindelanfällen, Sehstörungen, Brustschmerzen oder Atembeschwerden. Dabei bilden sich in der Herzkammer möglicherweise sogar Blutgerinnsel, die über die Halsschlagader ins Gehirn gelangen und dort einen Schlaganfall auslösen könnten. “Das Vorhofflimmern wird durch Stromimpulse verursacht, die von elektrisch aktiven Zentren in den Lungenvenen erzeugt werden, die sich direkt am Herzen befinden”, sagt Christian Butter, Chefarzt der Kardiologie am Herzzentrum . Diese Impulse können den linken Vorhof des Herzens erreichen und dort ein elektrisches Chaos, das Vorhofflimmern, auslösen (siehe Grafik rechts). Das Ziel der Behandlung ist es folglich zu verhindern, dass die elektrischen Impulse in den Vorhof weitergeleitet werden. Das geschieht, in dem der Arzt das Gewebe der Lungenvenen an der Einmündung in den Vorhof vernarbt und so die Impulsübertragung unterbindet. Eine relativ neue Methode ist es, die Reizleitungen in der Lungenvene mittels extremer Kälte zu unterbrechen. Dabei wird ein doppelwandiger Ballon in die bis zu vier Lungenvenen geschoben und dort mit flüssigem Stickstoff aufgeblasen, bis er die Vene vollständig verschließt. Der Stickstoff hat eine Temperatur von minus 50 Grad. Diese Kälte muss zwei bis vier Minuten auf die Venenwände einwirken und erzeugt so eine lokal begrenzte Erfrierung, die später vernarbt. “Mit diesem anatomisch orientierten Verfahren kann auf das sonst notwendige zeitaufwendige Erstellen einer Landkarte der Venen vor dem Eingriff verzichtet werden”, sagt Butter. Die Prozedur sei kürzer, damit für den Patienten weniger belastend und schneller für den Arzt zu erlernen.



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