Hintergrund: Tinnitus - Das grosse Rauschen

Der quälende Ton im Ohr entsteht durch geschädigte Sinneszellen im Ohr. Diese werden vor allem durch extreme Lärmbelastung verursacht.

Der quälende Ton im Ohr entsteht durch geschädigte Sinneszellen im Ohr. Diese werden vor allem durch extreme Lärmbelastung verursacht.


Woher kommt das Geräusch?

Jeder Mensch hat ein Grundrauschen im Ohr – doch normalerweise ist das Gehirn in der Lage, es auszublenden. Bei Tinnitus-Patienten erreicht dieses Rauschen die Ebene der bewussten Wahrnehmung. Schuld daran sind geschädigte Sinneszellen im Ohr, die mit winzigen Härchen besetzt sind. Sie schwingen mit den Schallwellen mit, die aus der Umgebung auf das Trommelfell und dann ins Innenohr übertragen werden. So entsteht ein Signal, das von den Hörzellen ans Gehirn weitergegeben wird. Geschädigte Hörzellen senden auch dann Signale, wenn von außen gar nichts zu hören ist – und das verursacht den Tinnitus.


Warum werden die Sinneszellen im Ohr geschädigt?

Die Hauptursache dafür ist Lärm. Ab etwa 85 Dezibel überfordert er die Haarzellen – vor allem, wenn er über Stunden andauert. “Ein Diskoabend beginnt in der Regel bei knapp 100 Dezibel”, sagt Birgit Mazurek, Leiterin des Tinnitus-Zentrums der Charité. Nach so einer Partynacht hat fast jeder ein Rauschen im Ohr. In aller Regel ist es am nächsten Morgen weg. Je häufiger aber die feinen Hörzellen überlastet werden, desto schneller altern sie. Damit steigt auch das Risiko, einen Tinnitus zu entwickeln. Auch ein Hörsturz kann die Ursache sein. Dabei wird das Innenohr für eine Weile schlecht oder überhaupt nicht durchblutet. Wie die Gehirnzellen bei einem Schlaganfall sterben beim Hörsturz die Zellen im Ohr ab. Dann hilft eine schnelle Therapie mit durchblutungsfördernden Medikamenten.


Wie klingt ein Tinnitus?

Das Geräusch kann ein Summen, Zischen oder Rauschen sein. Manche Menschen hören einen klaren Ton, andere ein Hämmern oder Klopfen. Die empfundene Lautstärke kann variieren. “Ein klarer Ton tritt häufig auf, wenn das Gehör nur in einer bestimmten Frequenz geschädigt ist”, sagt Birgit Mazurek. “Pulsierende Geräusche können auch ein Anzeichen für eine Gefäßerkrankung sein.”


Wie wird ein Tinnitus behandelt?

Die bislang wirksamste Methode ist die Tinnitus-Retraining-Therapie. Dabei wird das Gehirn von den störenden Tönen abgelenkt, so dass diese in den Hintergrund treten. In gezielten Hörübungen lernen die Betroffenen, sich auf andere Klänge zu konzentrieren. In drei Vierteln der Fälle hat diese Therapie Erfolg, so dass die Patienten besser mit ihrem Tinnitus leben können. Bewährt haben sich auch Entspannungs- techniken, zum Beispiel autogenes Training und Yoga. Würden junge Menschen rechtzeitig mit dieser Art von Stressvermeidung beginnen, gäbe es vermutlich weniger Tinnitus-Patienten, sagt Mazurek. “Die beste Vorbeugung ist die Vermeidung von Lärm.”


Informationen:

Charité Mitte Tinnitus-Zentrum. Anmeldung zur Spezialsprechstunde unter Telefon 030/450 55 50 09,

Deutsche Tinnitus-Liga Telefon: 0202/24 65 20

Internet: www.tinnitus-liga.de



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