Hintergrund: Katheter unter Kontrolle

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Bis zu anderthalb Meter lang ist der spaghettidünne Plastikschlauch eines Herzkatheters. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Stationäre Fälle: Die Zahl der Untersuchungen und Behandlungen mit einem Herzkatheter nimmt in Deutschland immer weiter zu. Im Jahr 2010 meldeten die Kliniken insgesamt rund 700 000 Untersuchungen und 286 000 Ballonaufdehnungen verengter Gefäße mit einem Herzkatheter an das für die externe Qualitätssicherung zuständige AQUA-Institut – das sind 14 000 bzw. 17 000 Behandlungen mehr als zwei Jahre zuvor.
Ambulante Fälle: Diese Behandlungen werden nicht nur stationär im Krankenhaus, sondern in immer größerer Zahl auch ambulant von niedergelassenen Kardiologen in ihren Praxen oder den Herzkatheterlaboren der Kliniken durchgeführt. Laut Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) waren das im Jahr 2009 bundesweit 100 000 Katheteruntersuchungen und 20 000 Ballonaufdehnungen. In Berlin gab es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung im selben Zeitraum 19 niedergelassene Kardiologen, die 1364 Herzkatheteruntersuchungen durchführten. 16 niedergelassene Kardiologen sind berechtigt, neben den diagnostischen Untersuchungen am Herzen auch Ballonaufdehnungen und Stentimplantationen durchzuführen. Diese setzten im Jahr 2009 insgesamt 258 Gefäßstützen (Stents) ein. Aber nicht alle diese Leistungen müssen an die Kassenärztliche Vereinigung gemeldet werden, denn ein Teil ihrer Arbeit rechnen die Ärzte über sogenannte Integrierte Versorgungsverträge (IV) direkt mit den Krankenkassen ab. Diese Verträge sollen die medizinische Behandlung verbessern, indem Ärzte fachübergreifend die Patienten in den jeweiligen Praxen, Kliniken und in der Rehabilitation betreuen. So führt die Barmer- Ersatzkasse derzeit zwei IV-Verträge mit Berliner Kardiologen, und die DAK einen. Derzeit kostet nach Krankenkassenangaben eine ambulante Herzkatheterbehandlung etwa 2000 bis 2700 Euro, eine stationäre dagegen rund 2800 bis 3500 Euro. Informationen: 16 Mediziner aus acht Kardiologie-Praxen haben sich am jüngsten Praxisvergleich des Tagesspiegels beteiligt. Mehr Informationen finden Sie im Arztpraxenführer Berlin 2010/2011. Er kostet 12,80 Euro und ist zu beziehen über www.tagesspiegel.de/shop oder telefonisch unter (030) 29 02 15 20.
Kooperation mit Kliniken: Die meisten dieser Praxen kooperieren mit Krankenhäusern, so beispielsweise mit dem Vivantes Klinikum Spandau oder dem St.- Gertrauden-Krankenhaus in Wilmersdorf, und führen für diese dann auch stationäre Katheterbehandlungen durch. Dabei handelt es sich zum Teil um 1500 und mehr Patienten pro Praxis und Jahr.
Qualitätsdaten: Erbringen die niedergelassenen Kardiologen die Katheterleistungen stationär in Kooperation mit einer Klinik, dann gehen die Daten auch in die externe Qualitätssicherung ein, wie sie in der Vergleichstabelle des Klinikführers Berlin zu finden sind. Für die ambulant erbrachten Leistungen dagegen unterliegen die Kardiologen der Qualitätssicherung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Um diese Untersuchungen bzw. Behandlungen durchführen zu können, müssen die Kardiologen nach diesen Vorgaben unter anderem jährlich mindestens 150 ambulante Katheteruntersuchungen bzw. 100 Untersuchungen und 50 Behandlungen nachweisen.
Chest Pain Units sind Zentren, in denen Patienten mit plötzlichen Brustschmerzen, hinter denen ein Herzinfarkt stehen könnte, rund um die Uhr behandelt werden. Die Kardiologenfachgesellschaft hat Qualitätsstandards dafür definiert, unter anderem muss ein Herzkatheterlabor 24 Stunden an jedem Tag einsatzbereit sein. In Berlin und im Brandenburger Umland sind bisher elf Chest Pain Units zertifiziert. In Berlin sind es die drei Standorte der Charité, das Helios Klinikum Buch, das Deutsche Herzzentrum Berlin, das Vivantes Klinikum am Urban, das Vivantes Klinikum Neukölln, das St.Gertrauden Krankenhaus und die Maria Heimsuchung Caritas Klinik Pankow. Im Brandenburger Umland wurden das St.Joseph Krankenhaus Potsdam und das Immanuel Klinikum Bernau Herzzentrum Brandenburg zertifiziert. Eine bundesweite Datenbank der Chest Pain Units und weitere Informationen bietet die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung im Internet unter http://cpu.dgk.org



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