Hintergrund: Innovatives Konzept - ein metallfreier Herzklappenersatz, der per Katheter eingepflanzt wird

Das Herz leistet über die Lebensjahre hinweg eine enorme Arbeit. Doch auch die “Pumpe” kann infolge der Alterung oder einer ungesunden Lebensweise erkranken. Zum Beispiel können die Herzklappen, die Ventile des Herzens, verkalken, verlieren so ihre Elastizität und schließen nicht mehr richtig. Dann muss man sie eventuell durch künstliche Klappen ersetzen, die per Katheter oder Operation eingepflanzt werden.

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Grafik: Fabian Bartel/Tsp


Üblicherweise werden Herzklappen, die nicht mehr korrekt funktionieren, in einer offenen Operation am Herzen ersetzt. Dabei übernimmt während der OP eine Herz-Lungen-Maschine die Aufgabe des natürlichen Herzens, weil dieses stillgelegtvwerden muss. Doch seit 2001 steht eine Alternative zur offenen Operation zur Verfügung, bei der die Herzklappe mit einem Katheter, der über die Leiste oder über die Herzspitze eingeführt wird, ersetzt werden kann. Diese Variante wird immer häufiger angewandt und ist ein etabliertes Verfahren, mit dem Betagte und Patienten mit einem hohen Operationsrisiko, schonend und komplikationsarm eine neue Aortenklappe (siehe Grafik) erhalten können, wenn sie vorher unter einer hochgradigen Einengung ihrer Aortenklappe (Aortenstenose) gelitten haben. Im Herzentrum Brandenburg in Bernau sind inzwischen mehr als 500 solcher Klappen über die Leiste implantiert worden.

Die bisherigen Modelle haben alle ein metallisches Gerüst (das einem Stent, also einer Gefäßstütze ähnlich ist), in das eine aus Schweine- oder Rinderherzbeutel nachgeformte dreizippflige Klappe als Ventil von Hand eingenäht worden ist. Die neue Herzklappe sitzt fest eingewickeltan der Spitze des Katheters, um sie durch die Gefäße bugsieren zu können. Die Klappe wird erst am Einsatzort entfaltet – entweder mit Druck über einen Ballon (ähnlich einer Stentimplantation in den Herzkranzgefäßen) freigesetzt oder er erreicht seine vorgeformte Größe durch ein wärmeempfindliches selbstentfaltendes Metall (so genanntes Nitinol). Die nun überflüssige körpereigene Klappe wird dabei quasi zur Seite geschoben. Ist die neue Klappe erst einmal freisetzt, kann ihre Lage nicht mehr korrigiert werden.

Das Team des Herzzentrums Brandenburg zeigt die Vorbereitung eines völlig neuen Klappenkonzeptes, das gegenüber der herkömmlichen, kathetergestützen Implantation einer Herzklappe mehrere Vorteile bietet: in dieser neuartigen Klappe ist kein Metall vorhanden und sie kann am pumpenden Herzen in Ruhe optimal ausgerichtet und implantiert werden kann. Besonders wichtig: Ist die Klappe nicht optimal platziert, kann ihr Sitz nachträglich und auch wiederholt korrigiert werden.

Das Prinzip der Klappe lässt sich am Beispiel eines Swimmingpools, der von zwei aufblasbaren Ringen gehalten wird, erklären. Zwischen zwei “Ringen”, die getrennt be- und entlüftet – also aufgeblasen – werden können, ist eine aus tierischem Herzbeutel handgefertigte Klappe montiert, so wie bei den herkömmlichen Ersatzklappen.

Aus dem Katheterlabor wird live die Implantation einer solchen Klappe bei einem betagten Patienten übertragen, der unter der Einengung seiner Aortenklappe schwere Luftnot hatte. Über einen kleinen Einstich in der Leiste wird die Ersatzklappe, die in einem Katheter, der etwas weniger als ein kleiner Finger misst, zur verengten Aortenklappen gebracht.

Besonders eindrucksvoll sei das Ausrichten und damit das Erreichen einer optimalen Position, sagen die Chirurgen. Ähnlich einer Marionette hängt der “Swimmingpool” mit der eingenähten Klappen an drei langen “Stangen”, mit denen der Kardiologe die Klappe Millimeter für Millimeter geduldig am schlagenden Herzen ohne jede Beeinträchtigung des Kreislaufs in die richtige Position bringen kann, wo dann die “Luftreifen” des “Swimmingpools” mit hohem Druck aufgeblasen werden und die einwandfreie Funktion überprüft wird. Dann findet unter Druck ein Austausch der Kochsalz-Kontrastmittellösung gegen einen Zwei-Komponenten Kunststoff (Polymer) statt, der dann aushärtet und einen dauerhaft korrekten Sitz der Klappe gewährleistet.




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