Hintergrund: Fußball und Alkohol

Fußballevents wie die Europameisterschaft gehören für viele Fans zu den schönsten Ereignissen des Sommers. Der Alkohol fließt dabei oft in Strömen. Wie gefährlich sind die Trinkgelage?


Wenn Menschen zum Alkohol greifen, dann meist in Gesellschaft oder vorm Fernseher. “Und bei Fußballevents wie einer Welt- oder Europameisterschaft kommen beide Situationen zusammen”, sagt Johannes Lindenmeyer, Direktor der Salus Klinik Lindow, einer auf die Behandlung von Suchtkranken spezialisierten Rehaeinrichtung. Ob auf der Berliner Fanmeile, in der Sportbar oder auf dem eigenen Sofa, meist gehört zu der gemeinsamen Sportbetrachtung mindestens eine Flasche Bier – oder auch mehr. Die enge Verbindung zwischen Fußball und Alkohol ist übrigens keineswegs ein Phänomen von Meisterschaften. “Studien zeigen, dass der Alkoholkonsum unter Männern am Samstagabend zur Sportschau am höchsten ist”, sagt Lindenmeyer.
Kann ein solcher ritualisierter Alkoholkonsum schaden? Ein gewisses Risiko bestehe immer. “Doch wir unterscheiden in risikoarmen und risikoreichen Konsum”, sagt Lindenmeyer. Für einen erwachsenen Mann bedeutet risikoarm: Er kann an fünf Tagen in der Woche je zwei Gläser Alkohol trinken. Das hängt an der Körpergröße und –masse. Da Frauen meist von kleinerer Statur sind, rechnet man bei ihnen statt mit zwei Gläsern nur mit einem pro Tag. Diese Orientierungsgröße hängt natürlich auch vom Alkoholgehalt im Getränk ab. Während ein Bierglas ungefähr 0,4 Litern entspricht, schrumpft die Weinmenge auf das Volumen eines halb so großen Weinglases.

Aber die wöchentliche Menge einfach bis zum Wochenende oder gar die Halbjahresration für eine dreiwöchige Fußball-EM aufzusparen, das funktioniere nicht, sagt der Experte. Fans können sich also nicht die zehn oder fünf wöchentlichen Gläser für ein Spiel aufheben. Denn das könnte einen starken Alkoholrausch auslösen – und nicht selten sind dann Verkehrsunfälle, Prügeleien oder andere Delikte die Folge.
Wann ist man Alkoholiker? “Kurz und knapp”, sagt Lindenmeyer “wenn man nicht mehr aufhören kann, ohne dass unangenehme Zustände, wie Zittern oder Nervosität auftreten”. Doch auch wer sich oder anderen im Rausch immer wieder schade und daraus nicht lerne, habe ein Alkoholproblem.
Wie schnell rutscht man in die Abhängigkeit? Vom Eröffnungsspiel der Fußball-EM 2012 in Warschau bis zum Finale in Kiew wird an 19 Tagen gespielt. Für nicht wenige Fans heißt das: 19 Tage heftiges Alkoholkippen. Droht solchen Fußballbegeisterten der Alkoholismus? Nein, meint Chefarzt Lindenmeyer. “Niemand wird in solch einer Zeit durch heftigen Konsum zum Alkoholiker”, sagt der Experte. “Trotzdem ist es nicht ratsam.” Denn obwohl noch keine chronischen körperlichen oder psychischen Schäden drohen, können drei Wochen Bechern am Stück bereits einen individuellen Trinkstil prägen, der sich dann auch nach dem Ende des Events fortsetzt.



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