Hintergrund: Filter im Körper

Das Wächterlymphknoten-Verfahren testet, ob Lymphknoten vom Krebs betroffen sind


Für die Behandlung von Brustkrebs und den Verlauf der Krankheit ist es wichtig zu wissen, ob Lymphknoten im Achselbereich befallen sind. Um das zu erfahren, werden während der Operation zahlreiche Lymphknoten aus der Achselhöhle entnommen und untersucht. Denn Lymphknoten funktionieren wie Filter. Sie fangen all die Stoffe ab, die in den Lymphbahnen nichts zu suchen haben: Krankheitserreger, Gifte, Krebszellen.


Bis vor wenigen Jahren gab es keine Methode, um festzustellen, ob oder welche Lymphknoten überhaupt Tumorzellen enthalten. Deshalb wurden bis zu 25 Lymphknoten entfernt. “Diese waren aber in den meisten Fällen gar nicht befallen”, sagt Michael Untch, Leiter des Brustzentrums im Helios-Klinikum Buch. “Bei bis zu 70 Prozent der Patientinnen stellte sich der Eingriff als Übertherapie heraus.” Um zu vermeiden, dass unnötig viele Lymphknoten entnommen werden, verwenden Ärzte inzwischen ein Verfahren, bei dem lediglich der sogenannte Wächterlymphknoten entfernt wird. Das ist der Lymphknoten, den die Krebszellen aus der Brust als Erstes erreichen. Er gibt Auskunft darüber, ob Tochtergeschwulste (Metastasen) im Lymphsystem vorhanden sind.


Radioaktive Substanz lokalisiert Wächterlymphknoten

Wie wird der Wächterlymphknoten ausfindig gemacht? “Schon vor der Brustoperation wird eine leicht radioaktive Substanz um den Tumor herum gespritzt”, erklärt Untch. Dieser Stoff fließt in die Lymphbahnen und reichert sich im Wächterlymphknoten an. Mit einer bleistiftgroßen Sonde kann die radioaktive Substanz im Gewebe gemessen, der Wächterlymphknoten lokalisiert und über einen kleinen Schnitt gezielt entfernt werden.


Bereits während der Operation wird der Wächterlymphknoten von einem Pathologen mikroskopisch untersucht. Ist er nicht befallen, sind mit großer Sicherheit auch die nachgeordneten Lymphknoten frei von Krebszellen und können erhalten bleiben – und den Patientinnen bleiben Nebenwirkungen und Komplikationen erspart, die mit einer Entnahme einhergehen, zum Beispiel das gefürchtete Lymphödem, bei dem die Arme anschwellen. Enthält der Wächterlymphknoten jedoch Krebszellen, müssen bis zu 15 Lymphknoten entfernt werden. Das Verfahren hat laut Chefarzt Untch eine sehr hohe Sicherheitsquote: “Die Wahrscheinlichkeit, dass die belassenen Lymphknoten Tumorzellen enthalten, liegt bei etwa drei Prozent.”




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