Hintergrund: Eine Laserbehandlung für Kinder

Sind Mandeln zu groß, aber nicht entzündet, müssen sie nicht komplett entfernt werden


Manchmal ist es ein lautstarkes Schnarchen, das bis ins elterliche Schlafzimmer dringt: möglicher weise das erste Zeichen für vergrößerte Mandeln der Kinder. Abgesehen vom Schnarchen kann es zu Schluck- und Atembeschwerden kommen, im Schlaf sogar zu Atemaussetzern – Schlafapnoe genannt.


Wie werden zu große Mandeln behandelt, die nicht entzündet sind und deshalb nicht komplett entfernt werden müssen?

Eine Alternative zur klassischen Mandelentfernung ist die Verkleinerung beider Tonsillen mit verschiedenen Instrumenten, unter anderen dem CO2-Laser. Der Laser funktioniert wie ein sehr scharfes Messer. Statt die Gaumenmandeln ganz herauszunehmen (wie bei der Tonsillektomie), werden diese nur teilweise durch die Lasertechnik abgetragen. Diese “Mandelkappung” nennen Mediziner Tonsillotomie. Inzwischen finden etwa genauso viele Laserbehandlungen wie komplette Mandelentfernungen statt. HNO-Chirurgen benötigen etwa eine halbe Stunde für diesen Standardeingriff. Wie bei einer vollständigen Mandelentfernung, werden die Kleinen in den Kliniken stationär nachversorgt.


Wann bietet sich eine Verkleinerung an?

Diese Behandlung kann allerdings nur angewandt werden, wenn die kleinen Patienten nicht unter chronischer Mandelentzündung leiden. “Wenn ein Kind von Natur aus zu große Mandeln hat, diese aber vorher noch nicht entzündet waren”, sagt Marc Bloching, Chefarzt der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Helios Klinikums Berlin-Buch. Der Eingriff eignet sich für Kinder unter vier Jahre. Die Mandelkappung wird sogar bei Zweijährigen bereits durchgeführt, sagt Bloching.


Was sind die Vorteile gegenüber einer kompletten Mandelentfernung?

Die Gaumenmandeln spielen im Immunsystem des Körpers eine wichtige Rolle, vor allem in den ersten Lebensjahren. “Da Kinder viel durch den Mund atmen, fangen sie sich leichter Infekte oder eine Bronchitis ein”, sagt Bloching. Deswegen kann es sinnvoll sein, sie zumindest teilweise im Rachen zu lassen. Erst wenn der Körper gelernt hat, gegen welche Fremdstoffe er immun sein muss, kann er auf die Mandeln verzichten. Daher wird bei Kindern unter vier Jahren nicht zur kompletten Entfernung der Mandeln geraten. Zu den häufigsten und gefürchtetsten Komplikationen bei Mandelentfernungen gehören Nachblutungen. Bei der Laser-Tonsillotomie ist dieses Risiko viel geringer. “Da nur ein Teil der Mandeln entfernt wird, kommt man nicht mit den großen Gefäßen in Kontakt, die die Mandel mit Blut versorgen”, sagt Bloching. Etwa zwei Drittel des Organs werden entfernt, offene Wunden entstehen kaum. “Die Kinder haben praktisch keine Schmerzen”, sagt Bloching. Sie erholen sich schnell und können bereits nach dem Eingriff fast alles wieder normal essen.


Was kostet die Operation?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Laser-Tonsillotomie in der Regel nicht. Es lohnt sich aber individuell bei der eigenen Kasse nachzufragen. So erstattet beispielsweise die AOK Berlin-Brandenburg in Einzelfällen die anfallende Arztrechnung von bis zu 1000 Euro.




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