Hintergrund: Aus Zwei mach Eins

Ein Hybrid-Operationssaal erleichtert den schonenden Ersatz einer kranken Herzklappe


Das Problem sitzt in der Brust des 66-jährigen Patienten: ein Aneurysma, eine Erweiterung der Hauptschlagader, die durch den Körper führt. Mitten in der Nacht wird der Mann im Mai 2008 ins Deutsche Herzzentrum gebracht. Ein Notfall, denn das Aneurysma droht zu platzen. Viel Zeit bleibt Oberarzt Burkhart Zipfel nicht, um die geschwächten Wände der Arterie mit einem Stent, einer Gefäßprothese in Form eines Gitterröhrchens, von innen wieder abzudichten. Dazu wird er die Gefäßstütze mit einem dünnen Katheterdraht durch die Adern bis zum Aneurysma führen und dort aufstellen.

Doch die Problemstelle ist heikel: Durch den Stent könnten die von der Hauptschlagader abgehenden Arterien blockiert, der Blutfluss ins Gehirn unterbrochen werden. Damit der Patient keinen Schlaganfall erleidet, setzt der Gefäßchirurg vor der Stenteinpflanzung zunächst Bypässe um das Aneurysma herum. Für diese Operation muss er den Brustkorb seines Patienten öffnen. Das heißt, er führt eine Katheter- Behandlung und eine Operation zusammen durch.


Hybrid-Operationssaal vereint chirurgische und kardiologische Verfahren

Bis vor kurzem wäre dies undenkbar gewesen, doch seit März 2008 verfügt das Herzzentrum über einen sogenannten Hybrid-OP. Hier können chirurgische Eingriffe mit kardiologischen Behandlungen – wie zum Beispiel dem Setzen eines Stents – verknüpft werden. Für einige Patienten, wie Zipfels Notfall, ist das lebensrettend. In vielen Kliniken sind die beiden Verfahren nur getrennt möglich, in unterschiedlichen Abteilungen und Etagen. Im Hybrid-OP geht nun beides gleichzeitig am gleichen Ort. Dass dies funktioniert, liegt an einer in den Operationssaal integrierten Katheteranlage, die während der Operation Röntgenbilder der Gefäße des Patientenkörpers macht. Die werden durch ein Kontrastmittel deutlich sichtbar.

Und es gibt einen weiteren Spezialfall für den Hybrid-OP, der minimalinvasive Ersatz einer kranken Aortenherzklappe. Zwischen April und November 2008 wurde diese noch sehr junge Technik bereits rund 50 Mal hier eingesetzt. Ohne den Brustkorb zu öffnen, ohne Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine und während das Herz weiter schlägt, wird mithilfe von Kathetern die alte Klappe durch eine neue, die eines Schweins, ersetzt. Diese Methode eigne sich besonders für Patienten, die gesundheitlich angeschlagen oder bereits voroperiert seien, sagt Roland Hetzer, der Ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums.


Dauer des Eingriffs wird reduziert

Eingeführt werden dabei zwei Katheter über einen Schnitt in der linken Brust. Der eine hat an der Spitze einen sich selbst aufblasenden Ballon, mit dem die alte Herzklappe zur Seite gedrückt wird. Mit dem anderen Katheterdraht führt der Chirurg gleichzeitig die dünn zusammengerollte neue Klappe bis ins Herz und entfaltet sie an dem nun frei geräumten Platz. Üblicherweise wird eine kranke Herzklappe in einer aufwendigen Operation am Herzen mit geöffnetem Brustkorb ausgetauscht oder repariert. Im neuen Hybrid-Saal dauert die komplexe Operation mit dem Katheter nicht mehr als eine Stunde. Der Vorteil: Falls während des Eingriffs Komplikationen auftreten – etwa wenn durch den Katheter ein Gefäß verletzt wird – und die Ärzte den Brustkorb doch öffnen oder die Herz-Lungen-Maschine anschließen müssen, brauchen die Patienten nicht zeitraubend verlegt zu werden – sie sind ja schon im richtigen Operationssaal.




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