Drogentherapie: Cannabis

Cannabis, Hasch, Marihuana – Viele Menschen halten Kiffen für unproblematisch. Doch in den letzten zwanzig Jahren hat sich die Droge verändert

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Harmloser Spaß oder gefährliche Sucht? Foto: Kai-Uwe Heinrich


In aller Munde: Cannabis

Cannabis ist die weltweit am häufigsten konsumierte illegale Droge, die längst auch in Deutschland angekommen ist. Rund 30 Prozent aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen “kiffen” zumindest gelegentlich.
Marihuana, also die getrockneten Blüten des Cannabis, werden oft im selbstgedrehten Joint geraucht. Wird der Rauch durch Wasserpfeifen inhaliert, intensiviert sich der Rausch erheblich. Auch das gepresste Harz der Hanfpflanze, das Haschisch, wird häufig in Pfeife oder Zigarette gebröselt. Mit Lösungsmitteln angereichert, lässt sich aus dem Harz auch Haschischöl extrahieren, das die höchste Konzentration von Delta-9-Tetrahydrocannabinol – kurz THC – enthält. THC ist die chemische Bezeichnung des Hauptwirkstoffs des Hanfs.
Cannabis wirkt von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Freude und Euphorie können genauso wie Angst und depressive Verstimmungen Teil des Rausches sein.
Viele Menschen halten Kiffen für unproblematisch. Einige sogar für weniger schädlich als Alkohol, der in der Tat ein weitaus höheres Suchtpotenzial trägt.
Doch in der Entzugsstation Count Down des Drogentherapiezentrums in Friedrichshain ist Marihuana zum Therapiegrund Nummer eins geworden. Während sich im Jahr 2000 sechs Prozent der Patienten wegen Cannabis in die Obhut des Count Downs begaben, waren es im Jahr 2011 schon 60 Prozent.

Süchtig vom Kiffen? Ist das ein neuer Trend?

Der Cannabisanbau ist zwar ein verbotenes, dafür aber ein umso einträglicheres Geschäft, das zunehmend professionalisiert wird. Gras wird heute nicht mehr heimlich im Hinterhof angebaut, sondern in riesigen Lagerhallen mit Kunstlicht beschienen und mit Dünger genährt. “Cannabis enthält heute deutlich mehr THC als noch vor zehn, zwanzig Jahren”, sagt Uta Drunkenmölle- Wege, ärztliche Leiterin des Count Down. Heute liegt der THC-Gehalt einiger Sorten bei 15 Prozent. Früher waren es im Schnitt nur fünf Prozent.

Wen betrifft das?

Zwar ist der Cannabisbesitz verboten, doch aus medizinischer Sicht muss nicht jeder Cannabiskonsum ein Missbrauch sein. Dieser liegt erst dann vor, wenn die Droge unverantwortlich, wie beim Autofahren, oder zu häufig und zu viel konsumiert wird, sodass sie der Gesundheit schadet. Von einer Sucht sprechen Mediziner erst dann, wenn die Droge das ganze Leben dominiert und Gesundheitsschäden ignoriert werden. Nur etwa zehn Prozent aller Cannabiskonsumenten gleiten in eine Sucht ab.
Die Abhängigkeit schlägt sich nicht nur psychisch, also in einem starken Verlangen nach der Droge, nieder. Einige Abhängige leiden auch unter körperlichen Entzugssymptomen: Sie sind unruhig, zittern, schwitzen und können nicht schlafen. Bei langfristigem Konsum wird auch von zunehmender Teilnahmslosigkeit und einem Verlust von Aktivität und Euphorie Harmloser Spaß oder gefährliche Sucht? berichtet.



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