Brustrekonstruktion: Nach dem Verlust

Eine Brustamputation wegen einer Tumorerkrankung ist eine enorme psychische Belastung, die Rekonstruktion – also der Brustaufbau – kann dem seelischen Wohl helfen


Es ist der Schock nach dem Schock. Für drei von zehn Frauen folgt auf die Diagnose Brustkrebs noch eine zweite Schreckensnachricht: Die Brust muss entfernt werden. Amputation. Und dann? Viele Frauen arrangieren sich mit einem in einen BH eingelegten Silikonkissen, einer Epithese. Aber weitaus nicht alle. “Rund ein Viertel der Betroffenen möchten ihre Brust wieder aufbauen lassen”, sagt Barbara Brückner, Leiterin des Brustzentrums am Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf. Und es würden immer mehr Patientinnen, die sich für eine Rekonstruktion entscheiden. “Das liegt auch daran, dass sie heute besser und intensiver über diese Möglichkeit aufgeklärt werden.”

Welche Möglichkeiten gibt es in der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie?

Nach einer Brustamputation, die Ärzte auch als Mastektomie bezeichnen, gibt es heutzutage verschiedene Möglichkeiten in der plastisch-re konstruktiven Chirurgie, die Brust wiederherzustellen. Eine davon ist das Einsetzen von Silikonkissen. Diese Implantate seien sicher, auch wenn sie immer wieder in Verruf gerieten, sagt Chefärztin Brückner. “Als Medizinpräparate werden sie in Deutschland geprüft und sind außerdem im Implantationsregister eingetragen.” Dass die Implantate reißen, ist sehr unwahrscheinlich. Häufiger kommt es dagegen zu einer Kapselfibrose, bei der sich die Kapsel aus Bindegewebe, die das Implantat umschließt, verhärtet. Dadurch verformt sich die Brust und es treten Schmerzen auf, sodass ein Korrektureingriff notwendig ist. Die zweite Möglichkeit ist ein Wiederaufbau der verlorenen Brust mit körpereigenem Gewebe. “Diese Methoden sind eindeutig auf dem Vormarsch”, sagt Brückner. So kann die Brust zum Beispiel durch Teile des Bauch- und Rückenmuskels samt Haut und Fettgewebe nachgebildet werden. Derzeit entwickeln die Mediziner eine weitere Methode: Die mikrochirurgische Brustrekonstruktion durch abgesaugtes Fettgewebe. Dieses Eigengewebe ermöglicht den Aufbau einer nahezu natürlichen Brust, da es in Konsistenz und Formverhalten dem Brustgewebe am ähnlichsten ist. Da sich jedoch im Fettgewebe Stammzellen befinden, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, dass sich dort ein neuer Krebs bilden kann. “Hierzu ist die Forschung allerdings noch nicht abgeschlossen”, sagt Chefärztin Brückner.

Zu welchem Zeitpunkt kann die Rekonstruktion einer Brust erfolgen?

Die Rekonstruktion kann sowohl zeitgleich mit der Entfernung der erkrankten Brust als auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. “Eine schnelle Entscheidung ist also nicht notwendig und auch nicht ratsam”, sagt Gynäkologin Brückner. Die betroffenen Frauen sollten sich vielmehr umfassend informieren und dann entscheiden, ob sie einen Brustaufbau wollen, und wenn ja, welcher Art. Normalerweise findet die Rekonstruktion einer Brust einige Monate nach der Amputation statt, wenn die Operationsnarben abgeheilt und eine weitere Behandlung zum Beispiel mit Chemo- oder Strahlentherapie abgeschlossen ist. Aber auch Jahre nach dem Eingriff ist ein operativer Brustaufbau noch möglich.

Wer übernimmt die Kosten für Operationen bei Brustrekonstruktionen?

Die Kosten für den Eingriff übernehmen die Krankenkassen, da die Brustrekonstruktion ein fester Bestandteil der Brustkrebsbehandlung ist: Sie ist keine kosmetische Maßnahme, sondern dient vielmehr dazu, das körperliche und seelische Wohlbefinden der betroffenen Frauen wiederherzustellen. Denn für viele Frauen stellt eine fehlende Brust eine große psychische Belastung dar, da sie mit einem gefühlten Verlust der Weiblichkeit einhergehen kann. “Die Rekonstruktion der Brustwarzen zahlen die Kassen jedoch nicht immer”, sagt Chefärztin Brückner. Ihr sei das völlig unverständlich, schließlich gehöre die Brustwarze zur Brust dazu.

Wo finden betroffene Frauen weiterführende Hilfe?

Der Verein “Frauenselbsthilfe nach Krebs” hat eine Broschüre zum Thema Brustamputation und Brustaufbau herausgegeben. “Brustamputation – Wie geht es weiter?” und weiteres Informationsmaterial kann unter www.frauenselbsthilfe.de heruntergeladen werden. Dort bietet der verein außerdem eine Onlineberatung an. Telefonisch ist die Geschäftsstelle der Frauenselbsthilfe erreichbar unter (0228) 33 88 94 02 (Montag bis Donnerstag 8 bis 16.30 Uhr, Freitag 8 bis 15 Uhr).



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