Prothesenregister

Schweden hat eins, Finnland hat eins, Norwegen, England und Australien auch: ein Prothesenregister. Darin wird festgehalten, wem, wann, wo, wieso und wie welcher Gelenkersatz eingebaut wurde.

“Auch in Deutschland wird eine Einführung schon seit Jahren diskutiert”, sagt Joachim Hassenpflug, Direktor der Orthopädie an der Uniklinik Kiel und erster Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie (DGOOC). In Anbetracht von rund 370.000 jährlich hierzulande eingebauten Prothesen, für die die Krankenkassen rund 3,5 Milliarden Euro im Jahr aufbrächten, sei eine Einführung notwendig. Trotz dieser Kosten gäbe es aber bislang keine Erkenntnis über die langfristige Qualität von Prothesen, sagt Hassenpflug: “Wir brauchen eine zuverlässige Kontrolle.”

“Ein solches System funktioniert in zwei Richtungen”, erklärt Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg. Kommt es beispielsweise zu einer Rückrufaktion wegen eines fehlerhaften Prothesenmodells, lässt sich überprüfen, wem die fraglichen Prothesen eingebaut wurden. Darüber hinaus lässt sich nach einiger Zeit ablesen, welches Modell Probleme verursacht und welches nicht.

Der gemeinsame Bundesausschuss (GemBA), in dem Vertreter von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken sitzen, hat inzwischen eine Ausschreibung für ein solches Register gestartet. Beworben hat sich unter anderem die Bundesgeschäftsstelle des Aqua-Institutes in Göttingen, die Nachfolgerorganisation der BQS, von dem auch viele Daten in unserem Klinikvergleich stammen.

Wer das System finanziert, ist noch offen. Die DGOOC hofft auf die Hilfe der Prothesenhersteller, die die Einführung eines Registers befürworten. Noch lässt sich nicht absehen, wann der GemBA seine Entscheidung trifft.

Hinweis: Empfehlungen zur Risikominimierung bei bestimmten Produkten können auf der Homepage des BfArM nachgelesen werden: www.bfarm.de , unter der Rubrik “Medizinprodukte” auf “Informationen über Risiken” und dann auf “Empfehlungen des BfArM” klicken.

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