Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse)

Wenn die Nieren dauerhaft versagen und eine Dialyse notwendig wird, haben die Betroffenen die Wahl zwischen zwei verschiedenen Methoden: Der Hämodialyse und der Bauchfelldialyse, die Mediziner auch als Peritonealdialyse bezeichnen.

Die meisten Patienten in Deutschland (rund 95 Prozent) machen eine Hämodialyse in einem ambulanten Nierenzentrum. Eine Alternative dazu ist die Bauchfelldialyse. “Dabei werden zwei bis zweieinhalb Liter der Dialyselösung per Infusion über einen dauerhaft eingesetzten Katheter in den Bauchraum eingebracht”, sagt Achim Jörres, Kommissarischer Leiter der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin der Charité. Dort überzieht das gut durchblutete Bauchfell alle Organe und übernimmt die Funktion der Dialysemembran: Da die Konzentration der Giftstoffe im Blut höher ist als in der Dialyselösung, wandern diese durch die Kapillaren des Bauchfells in die Lösung. Auch überschüssige Flüssigkeit kann dem Körper so entzogen werden. “Nach rund vier Stunden ist ein Konzentrationsausgleich erreicht”, sagt der Nierenarzt Jörres. Dann wird die mit Schlackestoffen angereicherte Flüssigkeit wieder aus dem Bauchraum in den Infusionsbeutel abgelassen.

Damit der Körper ausreichend entgiftet wird, müssen Patienten die Peritonealdialyse kontinuierlich durchführen und die Lösung viermal am Tag wechseln. In der Zeit, in der die Flüssigkeit ihr Blut reinigt, können sie aber ihrem normalen Tagesablauf nachgehen. Anders als Hämodialyse-Patienten sind sie also von den Nierenzentren unabhängig und auch in ihrem Berufsleben weniger eingeschränkt. Allerdings ist bei ihnen das Infektionsrisiko höher. “Die Patienten müssen peinlich genau auf Sauberkeit achten und darauf, dass alles steril ist”, sagt Jörres von der Charité. Sonst bestehe die Gefahr einer Bauchfellentzündung.

Experten gehen davon aus, dass rund 80 bis 90 Prozent aller Dialysepflichtigen körperlich dazu in der Lage wären, ihr Blut selbstständig mit der Bauchfelldialyse zu reinigen. Dennoch nutzt nur ein Bruchteil der Betroffenen diese Methode. Das hängt zum Einen damit zusammen, dass diese Art der Blutreinigung auch unter Ärzten weniger bekannt ist, für die Hämodialyse dagegen in Deutschland ein dichtes Netz an ambulanten Nierenzentren besteht. Zum Anderen schrecken auch viele Betroffene davor zurück, für sich selbst eine so große Verantwortung zu übernehmen. “Die ambulante Hämodialyse ist sowohl für Ärzte als auch für Patienten häufig der Weg des geringsten Widerstandes”, sagt Jörres. Gerade für junge und motivierte Menschen sei jedoch die Bauchfelldialyse eine echte Alternative, da sie ihnen mehr Freiheit in ihrem täglichen Leben gewähre.




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