Wie gefährlich ist eine Tuberkulose-Erkrankung?

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla über die Behandlung von Tuberkulose

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Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Der brasilianische Fußballprofi Franca von Hannover 96 ist vor wenigen Tagen an Tuberkulose erkrankt. Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla erklärt in seiner Kolumne, wie gefährlich die Krankheit ist und wie sie behandelt wird.

Franca wird derzeit auf einer Spezialstation in einem Krankenhaus in Hannover behandelt. Wahrscheinlich hat sich der 21-Jährige in seiner brasilianischen Heimat infiziert. "Die Infektionsquelle ist mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht im Umfeld der Mannschaft und auch nicht in Hannover zu suchen", hieß es in einer Mitteilung des Vereins. Franca wird für mehrere Monate ausfallen.

Die Tuberkulose (Schwindsucht) ist eine weltweit verbreitete Infektionskrankheit, die durch Bakterien verursacht wird und am häufigsten die Lunge befällt. Mit dem direkten Nachweis des Erregers (Mycobacterium) kann die Krankheit bestätigt werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ist etwa ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Bakterium infiziert.

Die Therapie ist die Gabe von Antibiotika (Antituberkulotika). Zur Vermeidung von Resistenzbildungen gegen das Bakterium und damit zum erneutem Auftreten der Krankheit, werden die Medikamente nach der WHO über mindestens ein Jahr genommen. Das bedeutet also, weit über das Bestehen der Beschwerden des Patienten hinaus.

Die zunehmende Bildung von Resistenzen gegen die Medikamente ist einer der Gründe, für die vermehrte Ausbreitung der Krankheit. In ärmeren Ländern gibt es auch wegen der schlechten Hygieneverhältnisse eine größere Ansteckungsgefahr als in Deutschland.

Früher wurde noch gegen Tuberkulose geimpft. Aufgrund der unzureichenden Wirksamkeit wird die Impfung seit 1998 nicht mehr empfohlen. Trotzdem ist die Tuberkulose noch eine tödliche Infektionskrankheit, auch in Deutschland. Nur ein geringer Anteil der Infizierten (ca. fünf bis zehn Prozent) erkrankt an Tuberkulose. Besonders betroffen sind Personen mit geschwächtem Immunsystem.

Die Übertragung erfolgt über die Luft (Tröpfcheninfektion). Durch Husten, Niesen oder auch beim Sprechen entsteht ein infektiöses Aerosol, wobei die Erreger stundenlang, manchmal bis zu zwei Tagen, in der Luft verbleiben können. Am Anfang der Erkrankung gibt es nur geringe allgemeine Beschwerden wie Schwäche, Müdigkeit, Husten ohne größeren Auswurf, Gewichtsabnahme und leichtes Fieber. Der Kontakt mit Tuberkelbakterien lässt sich mit einem Hauttest nachweisen (Tuberkulin-Test). Aber Vorsicht: In den ersten sechs Wochen nach Infektion kann der Test noch negativ ausfallen.

Auch Blutuntersuchungen und Röntgenuntersuchung (ggf. CT der Lunge) können zusätzlich durchgeführt werden. Durch mikrobiologische Untersuchungen von Auswurf, Magensaft und Urin können die Bakterien direkt nachgewiesen werden. Bei zu später Diagnosestellung können schwere Schäden an Lunge und anderen Organen auftreten. Deshalb kann die Tuberkulose im schlimmsten Fall auch tödlich verlaufen. 2010 registrierte das Robert Koch-Institut in Deutschland 4330 Tuberkulose-Erkrankungen. 136 Menschen starben an Tuberkulose.
_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 4. März 2013.)



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