Weisheitszähne: Ziehen oder nicht?

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla über die gängige Meinung, dass Weisheitszähne körperliche Probleme verursachen.

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Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Herthas Torwart Thomas Kraft musste sich vor wenigen Tagen zwei Weisheitszähne ziehen lassen. Manchen Sportlern wird eine solche Maßnahme empfohlen, weil man glaubt, dass Weisheitszähne körperliche Probleme nach sich ziehen könnten. Wie verhält es sich damit?

Weisheitszähne entwickeln sich im Vergleich zu den anderen Zähnen deutlich später und brechen erst im Erwachsenenalter durch. Normalerweise hat der Mensch vier Weisheitszähne. Es gibt aber auch viele Menschen, bei denen der Weisheitszahn überhaupt nicht durchbricht.

Weil die unteren Weisheitszähne wenig Platz haben um vollständig durchzubrechen, bereiten diese häufig die meisten Probleme. Es bilden sich Zahnfleischtaschen, die nur mit großem Aufwand richtig gereinigt werden können. Die Folgen können Entzündungen sein, manchmal kann es auch zu Abszessen kommen.

Untersuchungen besagen, dass etwa 60 Prozent der Weisheitszähne entfernt werden.

Wenn diese sehr groß sind, vor allem im Unterkiefer, spricht man von einer Sollbruchstelle. Es kann zu Nervenirritationen kommen, sodass diese Weisheitszähne Schmerzen verursachen. Im Oberkiefer führen Weisheitszähne oft zu Problemen im Kiefergelenk.

Wachsen die Zähne nur im Ober- oder nur im Unterkiefer, kann es zu einer Verschiebung der Zähne kommen. Schmerzen im Kiefergelenk und auch Zähneknirschen in der Nacht können die Folge sein.

Allerdings ist wissenschaftlich nicht bewiesen, dass die Zähne sich allein aufgrund von Weisheitszähnen verschieben. Und auch der Nutzen einer präventiven Entfernung von Weisheitszähnen ist nicht eindeutig bewiesen. Vor Jahren hat man Weisheitszähne grundsätzlich entfernt. Heutzutage muss ein Grund für die Entfernung vorliegen. Generell empfiehlt sich eine Entfernung von Weisheitszähnen eher zur kühleren Jahreszeit. Von Vorteil ist zudem, wenn man im Anschluss des Eingriffs zwei, drei Tage Ruhe hat. Eine körperliche Vollbelastung sollte erst nach mehreren Tagen erfolgen.

_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 19. November 2012.)



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