Was passiert beim Jetlag?

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla über die Auswirkung eines Jetlags auf den menschlichen Körper.

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Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Wenn Sportler fernab der Heimat zu Wettkämpfen reisen müssen, überfliegen sie oft viele Zeitzonen und beklagen die Auswirkungen des Jetlags. Was aber genau passiert dabei im Körper?

Immer wieder kommt es vor, dass Sportler fernab der Heimat zu Wettkämpfen reisen müssen. Dabei überfliegen sie oft viele Zeitzonen und beklagen wie zuletzt die Schwimmerin Britta Steffen beim Weltcup in Peking oder die Berlin Volleys bei ihrem Spiel in Nowosibirsk über die Auswirkungen des Jetlags. Was aber genau passiert im Körper?

Nach einer Reise über mehrere Zeitzonen stimmt die innere Uhr (zirkadianer Rhythmus) nicht mehr.

Diese Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus wird auch als Jetlag bezeichnet. Der Tag und die Nacht, aber auch der Hunger tritt zu einer ungewohnten Zeit auf. Es kommt zur ungewohnten Müdigkeit und zu Schlafstörungen. Da sich die innere Uhr anpassen kann, verschwinden die subjektiven Beschwerden nach wenigen Tagen. Ein Prozess der Synchronisation setzt ein.

Häufig wird der Jetlag bei Reisen nach Osten stärker empfunden, als wenn man Richtung Westen fliegen würde. Das liegt wahrscheinlich daran, dass es für den Menschen einfacher ist, länger wach zu bleiben. Trotzdem wird die Ausprägung und auch die Erholung des Jetlags individuell unterschiedlich wahrgenommen.

Bei Leistungssportlern kann es zu einer verminderten Leistungsfähigkeit kommen. Bei sportlichen Wettkämpfen, an denen der Sportler nur kurz am Zielort bleibt, etwa einem Fußball-Länderspiel in Aserbaidschan, kann es sinnvoll sein, den Tag-Nacht-Rhythmus von zu Hause, also in Deutschland, beizubehalten. Man arbeitet und schläft in seinen gewohnten Zeiten. Nur zum sportlichen Wettkampf wird dann dieser Rhythmus aufgegeben. Anschließend wird eine schnellst mögliche Rückkehr in die Heimat durchgeführt.

Um die Folgen des Jetlags zu vermindern, wird empfohlen, schon im Flugzeug die Uhr umzustellen. Damit kann man sich schon an den Tagesrhythmus des Zielortes gewöhnen. Weiterhin wird empfohlen, für ausreichenden Schlaf besonders in der ersten Nacht zu sorgen. Auf Alkohol sollte immer verzichtet werden.

_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 4. November 2012.)



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