Was passiert bei einem Schienbeinkopf-Bruch?

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla über die Gründe und Behandlung eines Schienbeinkopf-Bruches.

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Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Abfahrts-Olympiasiegerin Lindsey Vonn hat bei ihrem Sturz im Super-G neben Bänderrissen im Knie einen Bruch des Schienbeinkopfes erlitten. Letzteres gilt als besonders schlimm. Was bedeutet solch eine Verletzung und wie behandelt man sie?

Die schwer verletzte Abfahrts-Olympiasiegerin Lindsey Vonn ist in der Nacht zu Montag in den USA erfolgreich operiert worden. Die 28-jährige Amerikanerin war im Super-G der Ski-WM in Schladming schwer gestürzt. Vonn hatte dabei einen Kreuzband- und einen Innenbandriss im rechten Knie sowie einen Bruch des Schienbeinkopfes erlitten. Letzteres gilt als besonders schlimm.

Knochen- und Bandstrukturen müssen wiederhergestellt werden

Die Kniegelenkverletzung von Lindsey Vonn ist sehr komplex. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass nur eine vollständige Wiederherstellung der knöchernen Strukturen und der Bandstrukturen notwendig ist, damit sie ihren Sport wieder erfolgreich ausführen wird können.

Das obere Ende des Schienbeins (Tibia) wird Schienbeinkopf (Tibiakopf) genannt. Dieser Teil besitzt eine Gelenkfläche die überknorpelt ist. Diese Gelenkfläche bildet mit dem unteren Teil des Oberschenkels (Femur) das Kniegelenk. Zum Schutz des Knorpels befinden sich dort der Innen- und Außenmeniskus. Auch das vordere und hintere Kreuzband setzt am Schienbeinkopf an.

Eine Fraktur des Schienbeinkopfes (Tibiakopffraktur) ist häufig Folge eines Unfalls und kann mit Gelenkbeteiligung einhergehen. Dabei kommt es zu einer Unterbrechung des Knorpels/Knochen an der Gelenkfläche. Liegt eine Verschiebung (Dislokation) des Knorpels/Knochen vor, muss eine lückenlose Wiederherstellung operativ erfolgen. Dies ist notwendig, um eine frühzeitige Arthrose im Knie zu verhindern. Dabei wird der Knochenbruch wieder aufgerichtet und häufig mit Schraube und Platte fixiert. Eine Wiederaufnahme der vollen Belastung ist frühestens nach drei Monaten möglich.

Da Verletzungen des Meniskus und des Bandapparates (Innenband, Außenband, vordere Kreuzband) zusätzlich auftreten können, ist eine genaue Diagnostik von größter Bedeutung. Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich eine Bewegungseinschränkung und ein Kniegelenkerguss. Dabei ist das Kniegelenk geschwollen. Es befindet sich Blut im Gelenk. Die Fraktur ist schmerzhaft, eine Belastung ist nicht möglich. Eine Röntgenaufnahme des Kniegelenkes muss zwingend durchgeführt werden. Häufig werden noch zusätzliche Schichtaufnahmen und eine "Kernspintomografie (MRT)(Link zum Diagnostikverfahren)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_geratechecks/magnetresonanztomograf/ zusätzlich durchgeführt.
_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 11. Februar 2013.)



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