Sportler verkraften Hitze besser als Untrainierte

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla über die Hitzeverträglichkeit von Sportlern.

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Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Hoch "Achim" beschert Deutschland neue Hitzerekorde. Trotzdem schadet etwas Bewegung nicht. Im Gegenteil: Der Sportler kommt besser durch den Sommer als der Untrainierte - sofern er gewisse Regeln befolgt.

Die Luft flimmert, die Sonne brennt. Hoch "Achim" hat Deutschland am Wochenende Tropenklima geschenkt. Auch Sportler und Fans hatten unter der Hitze zu leiden. In der ersten Fußball-Pokalrunde etwa unterbrachen am Wochenende einige Schiedsrichter die jeweiligen Spiele, um den Aktiven so willkommene Trinkpausen zu gönnen. Wie wirkt sich Sport unter großer Hitze aus?

Die große Hitze ist besonders eine Belastung für das Herz-Kreislauf-System des Sportlers. Der Verlust von Wasser und Mineralien durch starkes Schwitzen führt zu Muskelkrämpfen. Oft fühlt man sich schwach und müde, Kopfschmerzen und Schwindel können auftreten.

Es kann zu einem abfallenden Blutdruck, einen übermäßig schnellen Puls und Sehstörungen kommen. Es können sogar Bewusstseinsstörungen auftreten.

Die Körperkerntemperatur von ca. 37 Grad wird beim Menschen durch ein Gleichgewicht zwischen Wärmeaufnahme und -abgabe geregelt. Bei hohen Temperaturen braucht der Körper zusätzlich Energie, damit der Körper nicht überhitzt. Durch den Temperaturausgleich steht so weniger Energie für die körperliche Belastung zur Verfügung. Außerdem verliert der Körper beim Sport viel mehr Flüssigkeit und Elektrolyte. Dadurch sinkt die Leistungsfähigkeit zusätzlich.

Um die starke Sonneneinstrahlung zu vermeiden, kann der Fußballer bei hohen Temperaturen am Morgen trainieren. Natürlich kann sich der Berufsfußballer seine Wettkampfzeit nicht aussuchen. Deshalb muss er besonders vor und nach dem Spiel für ausreichend Flüssigkeitszufuhr sorgen. Dies geschieht mit speziellen Elektrolyt-Getränken.

Für den Breitensportler ist ein Gemisch von Apfelsaft und stillem Wasser mit einer zusätzlichen Messerspitze Salz ausreichend. Wichtig ist auch die Möglichkeit zu nutzen, während Spielunterbrechungen etwas zu trinken.

Trotzdem, wer regelmäßig Sport treibt, ist am besten gegen die Hitze geschützt. Der Körper kann sich besser an die äußeren Bedingungen anpassen. Weiterhin schwitzt der Sportler besser und verliert weniger Elektrolyte als ein Untrainierter.

Das Training wegen der Hitze ausfallen zu lassen ist keine Lösung, denn der Körper würde schnell abtrainieren. Auch die zunehmende Bedeutung des Biorhythmus muss berücksichtigt werden. Der Sportler sollte sich drei Tage vor dem Spiel an Uhrzeit und Temperatur gewöhnen.

Trotzdem muss man sich die Frage stellen ob es richtig ist, Fußballspiel um die Mittagszeit anzupfeifen. Daher galt an diesem Pokalwochenende: Trinken, Trinken, Trinken!

_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 20. August 2012.)



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