Sport und Sex - Wahrheit und Mythen

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla über die These, dass Sex vor sportlichen Wettkämpfen die Leistung mindert.

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Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Sex und Sport – eine ewige Diskussion. Schon die antiken Olympioniken befürchteten, Sex vor dem Wettkampf könnte zu Leistungsabfall führen. Inzwischen halten einige Wissenschaftler die These für falsch.

Die sportliche Leistung nach dem Sex hängt natürlich auch davon ab, wie man Sex interpretiert. Unter Sex versteht man die Ausübung von Sexualität, also auch Geschlechtsverkehr. Es hängt vieles vom Partner ab. Ist Sex stressfrei oder ein aufregendes Abenteuer? Wie viele Stunden vor dem Wettkampf und in welcher Position wird Sex durchgeführt?

Nach dem Sex ist der Sportler ruhiger und entspannter

Studien zeigen, dass Sex vor sportlichen Wettkämpfen die Leistungsfähigkeit senkt. Deshalb wird empfohlen, bis zu 36 Stunden vor dem Wettkampf keinen Sex mehr zu haben. Dies gilt jedoch nur für Sportarten, die besonders Schnelligkeit und Kraft benötigen. Ein Orgasmus wirkt danach beruhigend.

Es werden Hormone ausgeschieden, die auf das vegetative Nervensystem wirken. Durch die vermehrte Ausschüttung von Glückshormonen während des Orgasmus wird die Aggressivität reduziert (Dasselbe Hormon fördert auch den Effekt, dass Sexpartner treu bleiben; jedenfalls für den Moment). Der Sportler wird anschließend entspannter und ruhiger.

Bei Schnellkraftsportarten ist aber eine gewisse Aggressivität notwendig, um Höchstleistungen zu erreichen. Bei Wettkämpfen mit hoher Konzentration wie etwa alle Schießsportarten kann Sex kurz vor dem Wettkampf vorteilhaft sein.

Der Einfluss von Sex auf die Leistungsfähigkeit des Sportlers macht sich jedoch nur im Hochleistungssport bemerkbar. Freizeitsportler können also beruhigt sein. Die genannten Effekte spielen bei Ihnen nur eine geringe Rolle. Es gibt auch geschlechtsspezifische Unterschiede, denn Frauen profitieren von den positiven Auswirkungen des Orgasmus nicht im gleichen Ausmaß wie die Männer.

Trotzdem: Regelmäßiges Sexualleben regt die Hormonproduktion an und führt zum Muskelaufbau. Es gibt aber auch Wissenschaftler, die meinen, dass das Verbot von Sex vor dem Wettkampf überholt sei, da Studien zeigten, dass durch Sex der Testosteronspiegel ansteigt. Da Testosteron auch zu einem aggressivem Verhalten führen kann, wäre es auch bei Kampfsportarten eine gute Idee, vor dem Wettkampf Sex zu haben.

Ob Sex für den Hochleistungssportler, also auch für den Bundesligaprofi, leistungsfördernd ist, wird jeder Spieler individuell entscheiden müssen. Für uns Freizeitsportler ist die Antwort viel einfacher.
_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 25. Februar 2013.)



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