Schmerzmittel im Leistungssport

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla über die Risiken von Schmerzmitteln im Leistungssport.

Thorsten_Dolla_promo.JPG
Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Schmerzmittel sind oft auch für den Leistungssportler unverzichtbar. Diskuswerfer Robert Harting weiß das nur zu gut. Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla erklärt, welche Risiken mit der Einnahme solcher Mittel verbunden sind.

Diskuswerfer Robert Harting hat am Wochenende erstmals in seiner Karriere die 70-Meter-Marke übertroffen. Dabei plagte sich der Weltmeister seit Monaten mit einer akuten Reizung im linken Knie, die mit schmerzlindernden Spritzen behandelt werden mussten.

Schmerzmittel, auch Analgetika genannt, sind die im Sport am häufigsten eingenommenen Arzneimittel. Dabei handelt es sich vorwiegend um Ibuprofen, Diclofenac (Voltaren), Acetylsalicylsäure (Aspirin) und auch um Paracetamol. Mit der Einnahme dieser Mittel möchte der Sportler Schmerzen reduzieren oder sogar ganz unterdrücken.

Schmerz ist auch ein Warnsignal

Werden Schmerzen durch Medikamente unterdrückt, können dauerhafte Schädigungen des Körpers die Folge sein. Es gibt Untersuchungen die belegen, dass Höchstleistungen und intensives Training ohne Schmerzmittel kaum möglich sind. Sogar mehr als die Hälfte aller Läufer vor einem Marathonlauf gaben an, schon vor dem Start eine Schmerztablette zu nehmen. Die meisten aus Angst vor Schmerzen.

Dabei geht es nicht nur um eine Aspirintablette, mit der bei Kopfschmerzen eine Besserung erreicht werden kann. Vielmehr haben diese Medikamente auch erhebliche Nebenwirkungen. Aspirin wirkt blutverdünnend und kann somit die Blutungsneigung verstärken.

Weiterhin kann es Asthmareaktionen bei geschädigten Atemwegen provozieren und zu Nierenschäden und Schäden im Magen-Darm-Trakt führen. Paracetamol wird oft bei grippalen Infekten eingenommen. Bei übermäßiger und regelmäßiger Einnahme kann es zu Leberschäden kommen. Auch Diclofenac und Ibuprofen sind nicht harmlos. Häufig kann es zu Schädigungen des Magen-Darm-Traktes und zu Nierenschäden kommen. Weiterhin können Bauchschmerzen auftreten.

Selbstverständlich gibt es Verletzungen und Krankheiten, die vom Arzt mit entsprechenden Schmerzmedikamenten behandelt werden. Medikamente dürfen aber nicht prophylaktisch oder unkontrolliert eingenommen werden. Auch im Hochleistungssport hat der Sportmediziner die Aufgabe, die Gesundheit des Athleten zu erhalten. Leistungssteigerung wird nicht über Medikamente erreicht, sondern durch Training.

Robert Harting hatte nach seiner 70-Meter-Wurf erklärt: "Ich bin seit dieser Woche schmerzfrei. Das macht sich sofort bemerkbar. Schmerz verändert den Menschen, und das ich schmerzfrei zu einem Wettkampf antreten konnte, ist lange her." Wünschen wir ihm, dass dieser Zustand von Dauer ist und er bei Olympia in London unbelastet in den Wettkampf gehen kann.

_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 21. Mai 2012.)



Artikelsuche ?

Tagesspiegel GESUND

Tagesspiegel Gesund 08 Tagesspiegel Gesund 09 Tagesspiegel Gesund 10

Fachkompetentes Praxiswissen informativ aufbereitet
Informationen zu Behandlungsmethoden und Gesundheitstrends aus Berlin und Umgebung
Von der Gesundheitsberater-Berlin-Redaktion

Aktuell am Kiosk oder direkt im
Tagesspiegel-Shop

Wir liefern Qualität

Erfahren Sie mehr darüber, wie unsere Texte entstehen, wie die Daten geprüft werden und wie sich das Portal finanziert.
Jetzt informieren.

Sie sind uns wichtig und wir freuen uns über Ihre Meinung zu unserem Portal. Welche Themen andere Leser interessierten lesen sie unter Leser fragen - die Redaktion antwortet