Medienkonsum bei Kindern: Kritisch vor der Mattscheibe

Der Spandauer Kinderarzt erklärt, warum Computer und Fernseher nicht einfach so ins Spielzimmer gehören

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Ulrich Fegeler. Foto: promo

Medienkonsum ist ein schwieriges Thema. Wer sich kritisch dazu äußert, steht schnell als etwas weltfremder Spielverderber da. Schließlich sei es doch gut, schon früh zu lernen, wie man einen Computer oder das Smartphone bedient. Medien seien aus dem heutigen Leben überhaupt nicht mehr wegzudenken. Ich kritisiere heute trotzdem - weil ich einen vernünftigen Umgang oft vermisse, und weil immer mehr Minderjährige kaum noch vom Computer, der Spielkonsole oder dem Fernsehbildschirm wegzubekommen sind.

In meiner Praxis erklären mir Eltern nicht selten, dass ihre drei- bis fünfjährigen Kinder am Tag ein bis zwei Stunden "ihre Serie" im Fernsehen schauen. Bei Schulkindern oder Jugendlichen sind zwei Stunden Medienkonsum täglich die Regel. Auffällig ist, dass dabei das Computerspielen, das oft in großen Internet-Communitys stattfindet, eine immer größere Rolle einnimmt. Wer länger als drei Stunden täglich spielt, läuft Gefahr abhängig zu werden. Die Zahl der Computerspielsüchtigen hat in den letzten Jahren stark zugenommen.

Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Haltungsprobleme sind Folgen von zu viel Computerspielen

Laut einer Untersuchung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen zur "Computerspielabhängigkeit im Kindes- und Jugendalter" spielen 4,3 Prozent der Mädchen und 15,8 Prozent der Jungen täglich mehr als viereinhalb Stunden am Computer. Drei Prozent der Jungen und 0,3 Prozent der Mädchen werden als computerspielabhängig eingestuft, sie berichten von Entzugserscheinungen und einer starken Einengung ihres Denkens und Verhaltens. Weitere 4,7 Prozent der Jungen und 0,5 Prozent der Mädchen gelten als gefährdet. Kinder und Jugendliche, die viel Zeit vor dem Rechner verbringen, klagen oft über Schlafschwierigkeiten, Haltungsprobleme und Kopfschmerzen.

Natürlich ist es schwer, beim Medienkonsum der Kinder den Überblick zu behalten. Eine Faustregel ist, dass Jugendliche erst ab 16 Jahren einen eigenen Fernseher im Zimmer haben sollten. Dasselbe gilt für Smartphones und Computer. Außerdem vermisse ich ein fest in den Lehrplan integriertes Fach zur "Nutzung von Bildschirmmedien". Von der Grundschule an könnten Kinder hier spielerisch lernen, wie Medien gemacht werden: vom Fernsehen über soziale Netzwerke bis zum Computerspiel. Kinder sollten von frühester Zeit an lernen, Medien kritisch zu hinterfragen. (Der Artikel ist am 2. September 2013 erschienen)



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