Knochenbruch als Therapie: Mathieus bemerkenswertes Comeback

Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla über das bemerkenswerte Comback des Tennisspielers Mathieu.

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Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Tennisprofi Paul-Henri Mathieu stand nach einer schweren Verletzung schon vor dem Karriereende, im Rahmen der Behandlung musste ihm sogar ein Knochen am Knie gebrochen werden. Dr. Thorsten Dolla erklärt, was dabei genau passiert ist.

Wird eine Operation durchgeführt, bei der "ein Knochen gebrochen wird", spricht man von einer Korrektur-Osteotomie. Dies ist ein Eingriff, bei dem in Narkose der Knochen durchtrennt (osteotomiert) wird, um einen Bereich im Kniegelenk zu entlasten. Liegt eine Arthrose des inneren Gelenkspaltes vor, wird der Knochen durchtrennt und in X-Stellung gebracht (valgisierende Umstellung). Eine Valgusstellung ist eine Fehlstellung, bei der der körperferne Teil (in diesem Fall der Unterschenkel) über das Normalmaß hinaus von der Mittellinie weg weist. Dadurch wird die Gelenkinnenseite weniger belastet. Diese Form der Achsenkorrektur ist damit eine gelenkerhaltene Operation.

Die Durchtrennung des Knochens ist am Oberschenkel und auch am Unterschenkel jeweils dicht am Kniegelenkspalt möglich. Die knöcherne Keilentnahme am Schienbein (Tibiakopf) ist die derzeit häufigste Operationstechnik.

Nach der Durchtrennung des Knochens wird dieser in der veränderten Stellung wieder mit Metallplatte und Schrauben stabilisiert (Plattenosteosynthese).

Natürlich ist dieser Eingriff nicht die gängige Behandlungsmethode bei Kniebeschwerden. Häufig gibt der Patient Beschwerden im Knie nicht nur bei Belastung, sondern auch in Ruhephasen an. Bei der klinischen Untersuchung kann eine Bewegungseinschränkung im Kniegelenk sowie ein Druckschmerz über dem Gelenkspalt vorliegen. Auch können sich Schwellungszustände oder ein Erguss im Kniegelenk zeigen. Ein Röntgenbild und eine "Kernspintomografie (MRT)(Link zum Operationsverfahren)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_geratechecks/magnetresonanztomograf/ sind weitere notwendige apparative Untersuchungen.

Sind die Beschwerden trotz Physiotherapie, Gabe von Knorpelpräparaten und vielleicht Injektionen von Hyaloronsäure weiterhin vorhanden, wird eine Arthroskopie durchgeführt. Bereits durch die Gelenkspülung des Knies werden Entzündungsprozesse reduziert. Weiterhin können knöcherne Anbauten (Osteophyten) abgetragen und Knorpelunebenheiten geglättet werden.

Die Umstellungsosteotomie ist eine umfangreiche Operation. Der Zeitpunkt, die Notwendigkeit und auch der zu erwartende Erfolg für den Patienten werden kontrovers diskutiert. Paul-Henri Mathieu hat ein sehr langes und belastendes Tennisspiel bei einem wichtigem Tennisturnier gewonnen. Wie das Knie in 20 Jahren aussieht, kann heute keiner vorhersagen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Zufriedenheit der Patienten dann deutlich nachlässt.

_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 4. Juni 2012.)



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