Impfen: Besser früh als zu spät

Impfungen sind zwar nicht schön, müssen aber sein, rät der Spandauer Kinderarzt Dr. Ulrich Fegeler in seiner Kolumne.

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Foto: Dr. Ulrich Fegeler

Wirklich jetzt schon?", fragen mich Eltern immer wieder, wenn ich mit ihnen während der Vorsorgeuntersuchung U3 – zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche – über das Impfen spreche. Ein Blick auf die Abwehrkräfte des Kindes zeigt, warum ein frühzeitiger Impfbeginn so wichtig ist: Vor der Geburt überträgt die Mutter alle im Leben "gelernten" Antikörper, deren Baupläne sie in einer Art Antikörper-Bibliothek abgelegt hat, auf das Ungeborene und schützt es so gegen Erreger. Doch dieser "Nestschutz" währt nicht lange, nach rund drei Monaten ist der Leihbestand an Antikörpern so weit abgebaut, dass Schutz nicht mehr gegeben ist. Deshalb baut ein Kind von Geburt an eigene Antikörper auf.

Impfungen übernehmen dabei die Aufgabe, rechtzeitig – also bevor die entsprechenden Erreger die Kinder krank machen – gegen besonders schwerwiegende Erkrankungen zu schützen.
Nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (StIKo) beginnt das Programm ab der achten Woche. Eine erste Serie bewirkt eine Antikörperbildung unter anderem gegen Kinderlähmung, Wundstarrkrampf, Keuchhusten und die gefährliche Hepatitis B. Ab dem vollendeten elften Monat rät die StIKo zu einer zweimaligen kombinierten Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln im Abstand sowie zu einer Impfung gegen die immer noch oft tödliche Meningokokken-Infektion.

Der Pikser muss sein

Die möglichen Folgen einer Masern-Erkrankung habe ich vor 24 Jahren kurz nach meiner Übernahme der Kinderarztpraxis in Spandau gesehen: Ein elfjähriger Junge und ein neunjähriges Mädchen kamen in meine Sprechstunde. Bei beiden hatten die Masern zu einer Gehirnentzündung geführt. Der Junge war in der Folge an einer dauerhaften Bewegungsstörung erkrankt, das Mädchen hatte einen mentalen Defekt. Wer diese Erkrankungen einmal gesehen hat, der vergisst sie nicht mehr.

Vor einer Impfung sollten Eltern ihren Kindern signalisieren: Der Pikser muss sein. Er ist zwar doof, aber auch gleich wieder vorbei. Bücher wie der Klassiker "Julia geht zum Arzt" können bei der Vorbereitung helfen. Impfungen gelten heute als sicher: Das Risiko schwerer Nebenwirkung liegt nahe null. Nach einer Impfung kann sich die Temperatur leicht erhöhen, die Einstichstelle ein wenig gereizt sein oder das Kind unruhig schlafen – oder es schläft besonders viel. Nach 24 Stunden sollten diese Symptome aber verflogen sein.



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