Immer nur lächeln

Dr. Hartmut Wewetzer über die Möglichkeiten, sich im Winter gegen Zumutungen fürs Gemüt zu wappnen.

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Dr. Hartmut Wewetzer. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Man sagt, dass jeder seines Glückes Schmied ist. Aber gegen einen Winter, der nicht enden will, ist auch der stärkste Schmiedehammer scheinbar wehrlos.

Dieses Winterwetter zieht einen wirklich runter. Was kann man tun, um sich gegen das meteorologische Trauma – oder andere Zumutungen fürs Gemüt – zu wappnen?

Eine Möglichkeit lautet: Dampf ablassen. Ärgern Sie sich über das schlechte Wetter, lassen Sie Ihren Gefühlen freien Lauf! "Bearbeiten" Sie Ihre Erlebnisse mit Schnee, Kälte und Dunkelheit, indem Sie ihnen auf den Grund gehen, sie in aller Tiefe noch einmal durchleben. Das Prinzip geht auf Sigmund Freud zurück, den Begründer der Psychoanalyse. Er glaubte, dass hinter seelischen Problemen falsch "verarbeitete" Kindheitsprobleme stecken und dass man in solche Konflikte eintauchen und sie erneut durchleben sollte.

Mittlerweile sind viele Psychologen auf Distanz zur Freud’schen Methode gegangen

Wer sich von seinem Ärger befreien will, indem er auf einen Punchingball eindrischt, verbessert vielleicht seinen rechten Haken, aber ganz gewiss nicht seine Laune. Der Mensch ist eben keine Dampfmaschine. Es gibt bessere Pfade, um durch dunkle (oder verschneite) Tage hindurchzukommen. Das amerikanische Magazin "The Atlantic" zitiert dazu Forschungsergebnisse von Susan Nolen-Hoeksema von der Yale-Universität. Die Psychologin setzt statt auf Grübeln eher auf Ablenken. Denken Sie an etwas Schönes, und es geht Ihnen besser. Klingt oberflächlich, ist es aber nicht. "Sing ein Lied, wenn du mal traurig bist", heißt ein alter deutscher Schlager.

Beim Weg durch den Winter kann helfen, dass der Mensch eine natürliche Tendenz zum Optimismus hat. Die Welt etwas rosiger zu sehen, als sie wirklich ist, hilft offenbar, das Leben zu meistern. Menschen mit einer positiven Grundeinstellung sind belastbarer. Widrigkeiten machen ihnen weniger aus und es gelingt ihnen sogar, negative Gefühle in positive zu verwandeln.

Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass Optimisten eher seichte Menschen sind, die von der Tiefe des Daseins keinen Begriff haben. Doch das stimmt nicht, wie die Psychologin Barbara Fredrickson von der University of North Carolina herausgefunden hat. Sie sind ebenso sensibel wie andere Zeitgenossen. Allerdings befreien sie sich von ihren Sorgen und lenken ihre Aufmerksamkeit auf positive Dinge. Sie sehen neue Möglichkeiten, die Pessimisten nicht erkennen können. Negativität engt das Blickfeld ein, aus Chancen werden Risiken.

Immerhin zeigte sich in Fredricksons Experimenten, dass auch weniger widerstandsfähige Naturen von den Tricks der Optimisten lernen können. Etwa, indem sie Herausforderungen als Gelegenheiten und nicht als Gefahr sehen. Das Glas ist halb voll, nicht halb leer. Im Fall des zähen Winterwetters ist diese Strategie ziemlich einfach. Denn jeder Tag bringt uns unausweichlich dem Frühling näher. Jeden Tag wird das Glas ein bisschen voller.

_Unser Kolumnist leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegel. Haben Sie eine Frage zu seiner guten Nachricht? Bitte an: sonntag@tagesspiegel.de_ (Der Artikel erschien erstmals am 24. März 2013.)



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