Hormone bei Wechseljahresbeschwerden

Dr. Hartmut Wewetzer über die Hormontherapie bei Frauen mit Wechseljahresbeschwerden.

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Dr. Hartmut Wewetzer. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wechseljahresbeschwerden können Frauen erheblich zu schaffen machen. Bis vor zehn Jahren war die Behandlung von Problemen wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen mit weiblichen Geschlechtshormonen weit verbreitet. Dann beendete eine amerikanische Studie das unbekümmerte Verschreiben der Medikamente.

Die unter dem Kürzel WHI (Women's Health Initiative) legendär gewordene Untersuchung schien ein für allemal nachzuweisen, dass die Risiken der Hormontherapie – mehr "Brustkrebs(Link zum Krankheitsbild)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_diagnosen-therapien/brustkrebs/ , Herzleiden, Schlaganfälle , Blutgerinnsel – den Nutzen eindeutig überwog. Inzwischen jedoch hat wieder ein Umdenken begonnen. Neue Studien werfen ein anderes Licht auf die Hormonbehandlung.

Vor mehr als 20 Jahren begann in Dänemark eine Untersuchung mit 1000 Frauen, in der geprüft werden sollte, ob die Hormonersatz-Therapie vor Knochenabbau (Osteoporose) bewahrt. Als die alarmierenden Ergebnisse der WHI-Studie bekannt wurden, stoppte man die Hormonvergabe nach zehn statt wie geplant nach 20 Jahren.

Jetzt haben die dänischen Wissenschaftler Bilanz gezogen, und sich angeschaut, wie sich die Hormone "von damals" auf das Risiko von Herz- und Gefäßleiden auswirkten. Das überraschende Ergebnis: Frauen, die Hormone nahmen, hatten im Zeitraum der Untersuchung (insgesamt 16 Jahre, davon zehn Jahre Hormoneinnahme und dann sechs Jahre Nachbeobachtung) ein deutlich geringeres Risiko zu sterben, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an einer Pumpschwäche des Herzens zu erkranken als Frauen, die keine Hormone nahmen.

Das Risiko für Krebs, Schlaganfall oder ein Blutgerinnsel im Venensystem war zudem nicht erhöht. In harten Zahlen: In der Hormon-Gruppe waren nach 16 Jahren 27 Frauen (von 504) gestorben, in der Gruppe ohne Hormone dagegen 40 (von 502). Vor allem der Tod durch Herz-Kreislauf-Leiden war bei den Frauen, die Hormone einnahmen, deutlich seltener.

Mit diesen Resultaten steht die im Fachblatt "BMJ" veröffentlichte dänische Studie im krassen Gegensatz zur Hauptaussage der WHI-Untersuchung. Wie kann das sein? Vermutlich spielt das "Timing" der Hormontherapie eine wichtige Rolle. Die Teilnehmerinnen der WHI-Studie waren mit 63 Jahren im Schnitt 13 Jahre älter als die der dänischen Untersuchung. In höherem Alter ist die Hormoneinnahme offenbar stärker risikobehaftet, während in jüngeren Jahren, zwischen 50 und 60, der Nutzen hervortritt. Und damit in jenem Zeitraum, in dem Frauen am stärksten unter Wechseljahresbeschwerden leiden und Hormone tatsächlich angebracht sein können.

"Es ist wichtig, die Behandlung in den Wechseljahren zu beginnen und nicht etliche Jahre später", sagt Louise Schierbeck vom Hvidovre-Krankenhaus, die Leiterin der dänischen Studie. Durchaus möglich, dass die Hormontherapie eine Renaissance erlebt. Auch wenn es nach wie vor gute Gründe dafür gibt, sehr sorgfältig und wachsam im Umgang mit diesen Medikamenten zu sein.

_Unser Kolumnist leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegel. Haben Sie eine Frage zu seiner guten Nachricht? Bitte an: sonntag@tagesspiegel.de_ (Der Artikel erschien erstmals am 21. Oktober 2012.)



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