DR. FEGELERS Sorgenkinder: Zecken - die ungebetenen Gäste

Von Dr. Ulrich Fegeler

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Dr. Ulrich Fegeler Foto: promo

Wenn Patienten mit anhaltenden Kopfschmerzen zu mir kommen, teste ich sie unter anderem auch auf das Vorliegen einer Borrelien-Infektion (Borreliose). Borrelien sind Bakterien. Sie werden in der Regel durch Zecken übertragen, die sich vom Blut von Menschen oder Tieren ernähren. Während des Eingrabens in die Haut sondern sie Speichel ab, über den Borrelien in die Wunde gelangen können, falls die Zecke infiziert ist. Treten Tage darauf eine sich von der Bissstelle in die Peripherie ausbreitende Hautrötung ('Wanderröte') und grippeähnliche Symptome auf, liegt eine manifeste Borreliose vor.

Unbehandelt können sich die Erreger über Blut oder Lymphbahnen im Körper ausbreiten. Typisch sind nach Wochen bis Monaten erneut auftretende Muskelschmerzen und grippeähnliche Symptome, Gelenkschwellungen, eventuell Herzrhythmusstörungen, aber auch Störungen des Tastsinns und des Sehens. Bei der sogenannten Neuroborreliose kann es zu einer Entzündung der Fazialisnerven mit Gesichtsmuskellähmungen, aber auch einer Hirnhaut- und Hirnentzündung kommen. Für die Spätform der unbehandelten Borreliose sind Gelenk- und Nervenentzündungen typisch, aber auch die chronische Meningitis mit starken Kopfschmerzen. Borreliose kann insbesondere im Frühstadium gut und nachhaltig mit Antibiotika behandelt werden. Sie hinterlässt keine bleibende Immunität.

Zecken können auch die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) übertragen, eine Virusinfektion die in Deutschland in den südlichen Bundesländern auftritt. Sie wird zum größten Teil symptomlos durchgemacht. Die restlichen Infizierten erkranken mit grippeähnlichen Symptomen und hohem Fieber, wobei bei etwa der Hälfte eine Meningitis beziehungsweise Meningo-Enzephalitis auftreten kann. Selbst bei schweren Verläufen kommt es meist zum vollständigen Ausheilen, allerdings ist die Prognose bei Kindern günstiger als bei Erwachsenen. Gegen die FSME kann geimpft werden. Die Impfung wird denjenigen empfohlen, die sich in Endemiegebieten viel in der freien Natur aufhalten, was auch unter Umständen für Urlauber gilt.

Ein Zeckenbiss an sich ist kein Grund zur Panik. Wenn die Kinder etwa im Wald oder auf Langgraswiesen gespielt haben, sollten Eltern sie aber nach ungebetenen Gästen absuchen. Öl oder Klebstoff sollte man auf keinen Fall auf die Tierchen geben. Am besten ist es, die Hautstelle zu straffen, das Tier seitlich so tief wie möglich mit einer Pinzette am Kopf zu fassen und mit "Materialgefühl" vorsichtig aus der Haut ziehen. Und die Haut dann mit Alkohol zu desinfizieren.



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