Die Auswirkung von Licht auf den Biorhythmus

Der Psychiatrie-Chefarzt Andreas Heinz über die Auswirkung von Licht auf den Biorhythmus des Menschen.

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Prof. Andreas Heinz. Foto: Thilo Rückeis

Der Frühling ist da und lockt viele Menschen in Parks und Cafés, wo sie die Sonnenstrahlen genießen. Das ist aus medizinischer Sicht erfreulich, denn Licht wirkt positiv aufs menschliche Gemüt. Zwei bis vier Prozent der Deutschen leiden in den Wintermonaten an einer saisonalen "Depression(Link zum Krankheitsbild)":http://www.gesundheitsberater-berlin.de/kliniken_diagnosen-therapien/depression/, die vor allem in nördlichen Ländern verbreitet ist. Bei den Inuit sind fast drei Mal so viele Menschen betroffen wie in Deutschland. Auf den Philippinen dagegen nur sehr wenige.

Lichtbedingte Stimmungsschwankungen hat schon Hippokrates beschrieben. Genauer erforscht werden sie seit rund 30 Jahren. Sonnenlicht reguliert die Bildung von Melatonin im Gehirn.

Das Hormon wird nach Sonnenuntergang produziert und steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Gegen drei Uhr erreicht der Melatoningehalt sein Maximum, er ist dann zehn Mal so hoch wie tagsüber. Im Morgengrauen, genauer gesagt mit zunehmendem Sonnenlicht, wird die Ausschüttung heruntergefahren. Wir werden allmählich wach.

Der Vorgang schwankt mit den Jahreszeiten. Da es im Winter nur kurz hell ist, bleibt der Melatoninspiegel erhöht. Das kann zu anhaltender Müdigkeit führen. Manche werden dadurch anfälliger für Stimmungsschwankungen, einige auch tatsächlich depressiv. Dazu kommt die Ungewissheit, mit der sich einige Menschen zu Jahresbeginn konfrontiert sehen. Die Festtage sind vorbei, das neue Jahr fängt grau an, was es bringt, ist nicht absehbar. Das kann zu Anspannung und Besorgnis führen. Fehlendes Sonnenlicht ist diesem Umstand nicht gerade zuträglich. Einst begann das Kalenderjahr im März, 153 vor Christus wurde es um zwei Monate vorverlegt – vom Frühling in den Winter. Aus psychologischer Sicht war das vielleicht keine gute Entscheidung. 

Auch Kunstlicht beeinflusst den Biorhythmus

Zwar ist es schwächer als natürliches Licht, aber es kann Frequenzen enthalten, die den melatoningesteuerten Takt stören. Die innere Uhr tickt dadurch nicht mehr so, wie sie das noch vor der Zeit des elektrischen Lichts getan hat. Menschen, die an lichtbedingter Depression leiden, kann in unserer Klinik geholfen werden: Durch eine Bestrahlung an der sogenannten Lichtwand, durch psychotherapeutische Intervention oder eine medikamentöse Behandlung. Besser ist aber Sonnenlicht – deshalb sind Gärten in Krankenhäusern ebenso wichtig wie Aufenthalte im Freien für alle, die nicht im Krankenhaus sind.
_Andreas Heinz ist Direktor der Klinik für Psychiatrie der Charité (Der Artikel erschien erstmals am 26. März 2012.)



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