Der plötzliche Herztod

Sportmediziner Dr. Dolla über den plötzlichen Herztod und wie man sich dagegen schützen kann.

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Dr. Thorsten Dolla. Foto: Promo

Der italienische Fußballer Piermario Morosini starb vor wenigen Tagen nach einer Herzattacke auf dem Spielfeld. Sportmediziner Dr. Thorsten Dolla erklärt, was ein plötzlicher Herztod ist und wie man sich schützen kann.

Vor wenigen Tagen haben Tausende Menschen Abschied genommen vom verstorbenen Fußballer Piermario Morosini in dessen Heimatstadt Bergamo. Der erst 25 Jahre alte Profi war während eines Spiels seines Vereins AS Livorno in der zweiten italienischen Liga in Pescara mit einem Herzstillstand auf dem Spielfeld zusammengebrochen und wenig später gestorben. Was ist ein plötzlicher Herztod, und wie kann man sich schützen?

Der plötzliche Herztod ist ein Fachausdruck, der den plötzlich und unerwartet auftretenden Tod durch einen Herzstillstand beschreibt. Definitionsgemäß handelt es sich dabei um einen natürlichen Tod, der innerhalb einer Stunde nach dem Auftreten von Symptomen eintritt (häufig auch Sekundentod genannt).

Zu den Symptomen zählen Schmerzen im Brustkorb, Veränderungen der Herzfrequenz trotz fehlender Belastung, aber auch Luftnot und Schwindel. Ein plötzlicher Herztod beim Sport wird angenommen, wenn dieser während oder bis zu einer Stunde nach Beginn des Sports einsetzt.

Eine hohe körperliche Belastung kann bei einer gleichzeitig vorhandenen Erkrankung des Herzens einen plötzlichen Herztod auslösen

Trotzdem hat der Sport erst einmal keinen negativen Einfluss auf das Herz. Es gibt Statistiken, die einen deutlich positiven Effekt des Sports auf das Herz-Kreislaufsystem belegen. Allerdings gibt es Risiken, die gleichermaßen für den Leistungssportler als auch Breitensportler gelten. Ein gewisses Risiko ist beispielsweise schon dann gegeben, wenn etwa ein Infekt vorliegt. Hier wird der Sportmediziner grundsätzlich von einer starken körperlichen Belastung abraten.


Die Ursachen des plötzlichen Herztodes sind vielfältig. Bei jungen Sportlern sind angeborene Erkrankungen des Herzmuskels sowie entzündliche Herzkrankheiten eine häufige Ursache.

In Deutschland werden standardisierte Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems im Leistungsbereich durchgeführt. In der Bundesliga und der Zweiten Liga werden gleichermaßen sowohl gründliche körperliche Untersuchungen als auch apparative Tests vorgenommen. Dazu gehören neben einem Belastungs-EKG auch eine Echokardiographie und eine Laborkontrolle. Diese Untersuchungen sind zu Beginn einer jeden Saison für die Spieler verpflichtend.

Regelmäßige Untersuchungen im Hochleistungssport, aber auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen im Breitensport schützen die Gesundheit. Eine absolute Sicherheit im Sport kann aber auch die umfangreichste Untersuchung nicht gewährleisten

_Der Berliner Orthopäde Dr. Thorsten Dolla, 48, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin tätig. Er war Mannschaftsarzt bei Hertha BSC, beim 1. FC Union und dem Footballteam Berlin Thunder. Beim ISTAF war er bis 2009 leitender Arzt und ist heute Ringarzt beim Boxen. Für Tagesspiegel.de schreibt er regelmäßig über Sportverletzungen und ihre Folgen._ (Der Artikel erschien erstmals am 23. April 2012.)



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