Zahl der Masernausbrüche in Berlin stark gestiegen

Eigentlich sollte Deutschland bis 2015 Masern-frei sein. So besagte jedenfalls die Zielvorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Daraus wird erstmal nichts. Allein im Januar 2015 gab es in Berlin 254 Neuansteckungen. Das sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts Rekordzahlen seit der Einführung des Infektionsschutzgesetzes von 2001, das Masern zu einer meldepflichtigen Krankheit erklärte.

Eigentlich sollte Deutschland bis 2015 Masern-frei sein. So besagte jedenfalls die Zielvorgabe der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Daraus wird erstmal nichts.

 Allein im Januar gab es in Berlin 254 Neuansteckungen. Das sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts Rekordzahlen seit der Einführung des Infektionsschutzgesetzes 2001, das Masern zu einer meldepflichtigen Krankheit erklärte.

 Hauptverbreitungsherde sind Schulen. In Kladow und Kreuzberg kam es sogar zu Unterrichtsausfällen wegen Masernerkrankungen, wie dieser Artikel beschreibt.

Aber auch in Flüchtlingsunterkünften soll es zu Masernübertragungen kommen, da viele Bewohner in ihren Heimatländern nicht geimpft wurden. 

In Deutschland besteht keine Impfpflicht, obwohl sie mehrfach diskutiert wurde und es bleibt jedem selbst überlassen, ob er sich und seine Kinder impfen lässt. 

Besonders niedrig ist die Impfbereitschaft in besser gestellten Bezirken wie Zehlendorf.  Unter einigen Akademikerfamilien herrscht eine diffuse Angst vor potentiell schädlichen Nebenwirkungen von Impfungen. Obwohl es tatsächlich in manchen Fällen zu Komplikationen durch Impfungen kommen kann, wie bei der Tochter der Autorin dieses Artikels, handelt es sich, in vielen Fällen um Gerüchte, die wissenschaftlich nicht bestätigt sind. 

Zum Teil seien aber auch die Stellen im öffentlichen Gesundheitsdienst, der für die Flächenimpfung mitverantwortlich ist, unzureichend besetzt. Mancher Impfwilliger müsse deshalb längere Wattezeit in Kauf nehmen, bis er die gewünschte Impfung bekommt, wie man hier nachlesen kann.

Die Ständige Impfkommision (StiKO) empfielt im Kindesalter zweimal impfen zu lassen und einmal zusätzlich nach dem 18. Lebensjahr. 

Denn Masern sind keine ungefährliche Krankheit. Sie schwächen das Immunsystem für mehrere Wochen und es kann zu erheblichen Komplikationen kommen, zum Beispiel einer Hirnhautentzündung, wie der Kinderarzt Ulrich Fegeler in seiner Kolumne beschreibt, oder zu der seltenen aber tödlich verlaufenden Krankheit subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die das Kind der Eltern in diesem Artikel erleidet.

Die Impfung zu verweigern ist auch deshalb problematisch, weil Masern hochvirulent, also sehr ansteckend sind. Etwa 90 Prozent der ungeimpften Menschen, die mit dem Virus in Kontakt kommen, infizieren sich auch. Die Erreger vermehren sich in den oberen Atemwegen und können deshalb sehr leicht, etwa beim Sprechen, Niesen oder Husten in die Umgebung gelangen. Dort überleben sie einige Stunden. Außerdem ist die Krankheit auch dann schon ansteckend, wenn sich noch keine Symptome gezeigt haben.

Zwar waren nach Daten des Robert Koch Instituts im Jahr 2012 in Deutschland noch über 95 Prozent der Kinder bei der Einschulung gegen Masern geimpft, bei der Gesamtzahl der Erwachsenen waren es allerdings deutlich weniger. Laut einer 2013 veröffentlichten Studie haben nur 31,1 Prozent der 18 bis 79-jährigen einen Impfschutz gegen Masern.



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